Das beste war und ist die Dusche danach …

SZENE. Plötzlich war sie da, meine dreimonatige Arbeitslosigkeit. Bei einer großen Tasse Tee saß ich da und überlegte, was tun mit der Zeit. „Eigentlich hast du jetzt keine Ausrede mehr, keinen Sport zu treiben“, sagte ich mir selbst. Ich griff mir das Telefon und meldete mich bei zwei Kursen im Sportverein an, auf die ich in der Zeitung neugierig geworden war. Gut, der Anfang war gemacht. Aber es grübelte in mir weiter. Da sitzt man nun, mit Mitte Zwanzig und hatte eine Ausdauer wie ein asthmatischer Eisbär. Der Tanzkurs beim Verein war schon mal ein Anfang. Aber irgendwie reichte mir das noch nicht. Ich erinnerte mich an meinen kläglichen Lauf-Versuch vor ein paar Jahren. Das hatte ich aber ganz schnell wieder gelassen. Was macht denn daran Spass? Klare Antwort: Nix. Aber im Hinblick auf meine Kondition und die viele Zeit, die mir bevorstand und die nicht nur mit Lesen und Schokolade gefüllt werden sollte, dachte ich mir, dass ich es noch mal probieren könnte. Ich nahm mir die Laufschuhe meines damaligen Mannes, steckte mir Kopfhörer in die Ohren, kramte eine alte Sporthose raus.

Es war kühl, Mitte Oktober und ich fühlte mich schon recht tageslichttauglich. Heimlich schlich ich vormittags raus, ging zwei Straßen und bog schnell ab in einen Wirtschaftsweg am Stadtrand. Dann mal los, Musik lief. Ich versuchte ein Lied lang laufen, eins zu gehen, eins zu laufen usw. Na gut, auch zwei Lieder laufen. Eine Viertelstunde war um – Yeah! Reicht für heute. Frische Luft mochte ich, Musikhören auch, Laufen nicht. Zuhause habe ich meine Dusche schätzen und lieben gelernt. Das Beste am Laufen war die Dusche danach. Das ist bis heute so. Ich versuchte, zweimal die Woche rauszugehen und zu laufen. Nach kurzer Zeit konnte schaffte ich eine Viertelstunde am Stück. Hey, ich bin ein Held. Natürlich wusste immer noch niemand davon. (alles weitere von Ildikós Lauferfahrungen lest Ihr in Eurer neuen LAUFZEIT&CONDITION 12/2018)

Foto: privat

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