Hussong wirft Speer zu Gold und Tesfaye wird Letzter

SZENE. Ein wahres Medaillenfeuerwerk feierten die deutschen Leichtathleten bei der EM in Berlin. So überragte Christin Hussong mit hervoragenden 67,90 m ihre Konkurrentinnen im Speerwurf um Längen. Eine absolue Weltklasseweite und gleichzeitig Meisterschaftsrekord! Aber nur der Auftakt zu weiteren Medaillen von Kristin Gierisch im Dreisprung (Silber in neuer persönlichen Bestweite von 14,45 m) und zweimal Bronze von Marie-Laurence Jungfleisch im Hochsprung  (1,96 m) und Carolin Schäfer (Siebenkampf/6.602 Punkten).  Freunde der Leichtathletik was wollt ihr mehr!

Gestern stand in Berlin der 1.500 m-Lauf der Männer als längste Strecke auf dem Programm. Was für ein toller Lauf! Das Bemerkenswerteste war zunächst der seltene Fall, dass drei Brüder sich für das Finale qualifiziert hatten. Dass allerdings der Jüngste von ihnen mit seinen gerade einmal 17 Jahren Europameister werden würde und sein sieben Jahre älterer Bruder, der auch noch als Titelverteidiger am Start war, nur Vorletzter wurde, war wohl von niemandem vorhergesagt worden.
Aber der Reihe nach: Das Rennen begann, endlich bei vorzüglichem Leichtathletikwetter, forsch. Die Brüder Ingebritsen aus Norwegen hielten sich am Ende des Feldes auf. Erst nach 600 m zogen sie geschlossen wie an einer Perlenschnur gezogen am ganzen Läuferfeld vorbei und bestimmten fortan das Geschehen. Ab und zu konnte man das Gefühl haben, sie würden die Medaillenvergabe unter sich ausmachen. Aber in der letzten Runde war quasi die Hölle los. Viele versuchten plötzlich sich doch noch eine gute Ausgangsposition für den Spurt auf der Zielgeraden zu verschaffen. Auf den letzten 50 Metern schoss urplötzlich der Pole Marcin Lewandowski mit seiner enormen Spurtstärke heran und hätte beinahe noch gewonnen. Aber der Youngster unter den Ingebritsens rettete den Sieg und sorgte somit dafür, dass der Europameistertitel in der Familie blieb. Lewandowski gewann die Silbermedaille und der Brite Jake Wightman Bronze.

Spannendes Finale beim 1.500 m-Lauf der Männer

Timo Benitz wurde bester Deutscher, weil er einer derjenigen war, der seine Spurtstärke ebenfalls auf der Zielgeraden erfolgreich zur Geltung bringen konnte. Seinen erfreulichen 7. Platz konnte man nicht unbedingt erwarten. Der zweite Deutsche, Homiyu Tesfaye, hatte zu Beginn eifrig vorne mitgemischt, konnte aber zum Schluss nichts mehr ausrichten und wurde deutlich abgeschlagen Letzter in diesem denkwürdigen Finale. Für den gebürtigen Äthiopier im Trikot der LG Eintracht Frankfurt eine herbe Enttäuschung. Aber schon der Saisonverlauf war für Homiyu Tesfaye eine einzige Achterbahnfahrt. Gute und schlechte Leistungen wechselten sich ständig ab. In Berlin war es leider ein „Tag zum Vergessen“ für den werdenden Vater.

Das Feld er 1.500 m-Läufer mit den deutschen Startern Timo Benitz (Vorletzer) und Homiyu Tesfaye

Schön war im Übrigen die Tatsache, dass endlich bei diesen Europameisterschaften hervorragendes Wetter herrschte. Die 48.447 zahlenden Zuschauer hatten einen unvergesslichen Abend im Olympiastadion erlebt. Tolle Stimmung! Tolle Leistungen! Deutsche Athleten so erfolgreich wie lange nicht mehr! (Hubert Meisen/Jörg Valentin)

Fotos: Petra Juretzki

Titelfoto: Christin Hussong nach ihrem Goldwurf auf der Ehrenrunde durchs Olympiastadion

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