Buchrezension: „Mein längster Lauf“

 

30° C im Schatten, kein laues Lüftchen im Garten und sibirische Wälder mit Schneesturm. Schneesturm? Entschuldigt, ich bin gerade mit Rosie unterwegs, in Sibirien nach Alaska Richtung Kanada. Im übertragenen Sinne. In ihrem Buch „Mein längster Lauf“ beschreibt sie ihre lange Reise einmal um die Welt – zu Fuß! Nach dem Tod ihres geliebten Ehemannes sucht sie eine neue Aufgabe, vielleicht auch Lebenssinn, und wird ihn nach zweijähriger Vorbereitung in ihrem längsten Lauf finden. Nach kurzer Einleitung ihrer persönlichen Geschichte und Beweggründe sowie dem nur ansatzweise zu erahnenden Aufwand der Vorbereitung, macht sie sich am 2.Oktober 2003 von Wales/GB auf, um gen Osten die Welt zu umrunden. Dabei beschreibt sie in fein gegliederten Kapiteln bildreich ihre Abenteuer und ihr rustikales Leben.

Auf ihrem Weg durch Deutschland, Polen und dem riesigen Russland hat sie nicht nur oftmals mit dem Wetter zu kämpfen, auch Bären und wilde Hunde kreuzen ihren Weg. Alaska besteht laut ihren Erzählungen nur aus Schneestürmen und Eisschollen. Aber Rosie trotzt allem mit ihrem Anhänger, Herkules genannt, der sie treu begleitet und ihre Ausrüstung sicher birgt. Die Reise ist geprägt von viel spürbarer Einsamkeit, unerwarteten Kontakten mit Mensch und Tier, unfassbar viel Schnee, großen körperlichen Strapazen und einem unbändigem Willen, ihr Ziel zu erreichen.

Die vielen Begegnungen hinterlassen ihre Spuren bei ihr (und Herkules) und werden liebevoll beschrieben. Sie versteht es, den Leser mit auf ihren Weg zu nehmen und schildert ihn emotional. Sie zieht viel Energie aus den Menschen, die sie trifft und ist immer wieder ob der ganzen Hilfe und Großzügigkeit, die ihr widerfährt, sprachlos.

Man kann dieses Buch auf viele Arten lesen, als reine Unterhaltung, einem extravaganten Campingführer für Extremurlauber aber auch als eine Form der Entwicklung, die ein Mensch durchmachen kann. Eine leichte Lektüre mit starkem Kern. Dabei merkt man, dass die Vollblutsportlerin noch tausend Seiten mehr hätte schreiben können, soviel wie sie zu erzählen hat, manchmal werden Erlebnisse leider nur kurz angerissen. Aber dennoch bin ich gespannt, was nach Alaska auf sie wartet und denke, spätestens, wenn sie wieder zuhause ist, werde ich ein kleines Taschentuch benötigen und mich mit ihr freuen. Denn ankommen wird sie – nach vier Jahren und zehn Monaten. Respekt Rosie! Aber weiter nun, gleich erreicht sie Kanada… (Foto und Kritik: Adda Theilen)

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„Mein längster Lauf“ (2018, Eden Books, Hamburg)

Englische Originalausgabe: „Just a Little Run Around the World“ (2009, HarperTrue, HarperCollinsPublishers)

4 von 5 Bleistiften!

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