9 Meilen von Leverkusen – Arger Wind beim Jubiläum

 

Am 1. Mai feierte der 9-Meilen-Lauf von Leverkusen sein zehntes Jubiläum mit einem lachenden und einem weinenden Auge. So schön es ja ist, stolz auf eine runde Veranstaltungszahl blicken zu können, so traurig ist es auch, wenn es möglicherweise die letzte Austragung war. Denn das Damoklesschwert hängt über dem Event, das nahe an und unter der Leverkusener Autobahnbrücke durchgeführt wird. Die marode Brücke, über die schon länger keine Lastwagen mehr fahren dürfen, muss allerdings in den nächsten Jahren runderneuert werden. Das könnte das Aus bedeuten für den beliebten Lauf mit der ungewöhnlichen Distanz. Schon 2018 war die traditionelle Streckenführung gefährdet, wurde aber von der Stadt noch einmal genehmigt. Meint es die Zukunft mit dem Neuparklauf gut, könnte er in drei, vier Jahren wieder über die Bühne gehen, meint sie es schlecht, was es das dann wohl für die neun Meilen von Leverkusen.

Zum Jubiläum hatte Petrus – im Gegensatz zur verregneten Angelegenheit 2017 – eine hübsche Mischung aus Himmelblau und Unschuldsweiß an das Firmament gezaubert. Bei zeitweisem Sonnenschein, kühlen Temperaturen und kräftigem Wind war die Witterung für die Läufer abwechslungsreich, aber keinesfalls ungünstig. Der erste Lauf des Tages über fünf Kilometer sah rund achtzig Läufer am Start und ein kurioses Finale. Die 17-jährige Hanna Stegmaier vom SSF Bonn hatte lange auf Rang zwei hinter Andres Burges gelegen, überspurtete diesen dreihundert Meter vor dem Ziel und sah wie die sichere Siegerin aus, denn nur noch eine Minirunde von 200 Meter vor der Bühne war zu absolvieren. Dann aber geschah das Malheur. Das Führungsfahrrad bog nicht auf die Finalrunde ein (Düsseldorf- und Kasselmarathon lassen grüßen), sondern nahm direkten Kurs zur Rückseite des Ziels, und Hannah folgte, während Andres (TuS Opladen) auf der richtigen Spur blieb. Hannah blieb irritiert kurz stehen, lief dann noch zwei Schritte in die falsche Richtung und nahm, als sie begriffen hatte, die Verfolgung von Andres auf. Das alles dauerte nur zwei Sekunden. Sie erreichte ihn fast noch, doch verlor das Rennen um eine Kastenlänge. Das Kampfgericht fällte ein salomonisches Urteil und setzte beide zeitgleich auf Platz eins in 18:43 min. Zweitschnellster Mann war Roman Schultes in 18:55 min, während Rang 2 bei den Frauen an Annette Paap vom Möllner SV ging (20:25 min).

IMG_0714 webNach einem Schüler- und einem Bambinilauf wurde pünktlich um zwölf Uhr der namensgebende Hauptlauf angeschossen, an dem knapp 300 Läufer teilnahmen. Die Strecke von neun Meilen ist umgerechnet 14,4 km lang und führt nach einer Eingangsrunde durch den Neulandpark durch eine beeindruckende Flusslandschaft an der und über die Dhünn und Wupper sowie ein Stück entlang des Rheins. Gelaufen wird auf Rad- und Feldwegen und auf dem Deich. Einige kleine, knackige Anstiege, vor allem am Schluss, lassen keine Langeweile aufkommen. Sieger der Jubiläumsausgabe wurde der aus Eritrea stammende Michael Mihretab, der für TuS Opladen läuft, und auch schon im Vorjahr den Sieg davon getragen hatte. Damals blieb er knapp unter 52 Minuten, jetzt kam er nach 52:11 min ins Ziel. Dahinter wurde Mateusz Gozyca in 56:02 min  Vizemeister vor Martin Schulte (TuS Opladen) in 56:06 min. Bei den Frauen fuhr Zuzanna Glombiowska (Big-YellowFoot Adventue Team) einen souveränen Sieg in 65:25 min ein vor Ute von Maltzahn (TuS) in 67:37 min und Michaela Cremer (Bergisch Gladbach) in 69:41 min. Die Kombi-Wertung (5+14,4km) gewannen Zuzanna Glombiowska, die über 5 km 3. geworden war, und 5-km-Sieger Andres Borges, der im 9-Meilen-Lauf auf Rang 9 landete.

Zum Jubiläum und zur vielleicht letzten Austragung war sogar Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath gekommen, um dem ausrichtenden Verein „Leverkusen aktiv“ und den Helfern zu danken. Orgachef Matthias Brandes nahm dies erfreut zur Kenntnis, hofft aber besonders darauf, dass die Veranstaltung nicht sterben möge. (Text und Fotos: Michael Schardt)

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