Aufbau-Wettkämpfe – Training unter Wettkampfbedingungen

TIPPS VOM PROFI. „Aufbauwettkämpfe haben eine hohe Bedeutung für die Entwicklung der wettkampfspezifischen Leistungsfähigkeit. Sie sind aber so vor- und nachzubereiten, zu organisieren, dass das „Trainingsziel hohe Qualität“ auch realisierbar ist. Innerhalb der Woche ersetzen sie dann eine Trainingseinheit entsprechender Qualität.“ (PÖHLITZ 1985)

 Von Lothar Pöhlitz

Training im Leistungs- und Nachwuchsleistungssport zielt auf die höchste persönliche Leistungsfähigkeit – die neue persönliche Bestleistung zum jeweiligen Jahreshöhepunkt. Erfolgreiche Wettkämpfe sind das Ziel des Trainings, in jedem Alter und in jeder Leistungssituation. Vor allem Schülern- und Jugendlichen machen sie Spaß, wenn die gestellte, realistische Aufgabe erfüllbar ist und sich der Trainer und das Umfeld mitfreuen. Außer Wettkämpfen mit Qualifizierungs-/Nominierungscharakter sind Aufbauwettkämpfe Teil der Vorbereitung auf den wichtigsten Wettkampf des Jahres. Es ist nicht nur Training unter Wettkampfbedingungen, sondern dient offensiv von vorn gelaufen auch der Entwicklung der speziellen Ausdauer und der Sammlung von Wettkampferfahrung.

Aufbau – Wettkämpfe auch zur speziellen Ausdauerentwicklung nutzen

 Im Nachwuchstraining haben sie – von Meisterschaftsrennen abgesehen – vor allem Ausbildungsziele zu erfüllen und dienen der Umsetzung der Prinzipien der Trainings-lehre. Das heißt dass die Mehrzahl der Rennen der Überprüfung des Ausbildungsstandes in der jeweiligen Ausbildungsetappe dienen sollen, also Test – oder Kontrollcharakter der entsprechenden aktuellen Lehrinhalte haben. Dabei ist wichtig Schüler- oder Jugendliche nicht in Rennen zu schicken (z.B. Konkurrenz-situation), in denen für sie die Enttäuschung vorprogrammiert ist. Kleinere Wettkämpfe mit Erfolgsaussichten, vor allem Siege erhöhen die Motivation für die folgenden Trainingswochen. Unter diesen Gesichtspunkt ist die Organisation der Wettkampfleistungen im umfassenden Sinne nicht nur alters- sondern vor allem leistungsabhängig zu gestalten, aber sie ist auch Lehrauftrag.

Trainer sollen bedenken das junge, aber auch ältere Läufer weniger zwischen wichtigen und weniger wichtigen Wettkämpfen unterscheiden, sie wollen immer gut sein. Deshalb sind Wettkämpfe nicht nur trainingsmethodisch, sondern auch geistig mit den Sportlern vor- aber auch nachzubereiten. Das Gehirn läuft mit. Dazu gehört auch das unerwartet negative Ergebnisse, Enttäuschungen, zuerst überschlafen werden sollten und sie erst beim nächsten Training – wenn sich die Rauchwolken verzogen haben –  mit dem Sportler so zu besprechen das er/sie zum nächsten Rennen besser vorbereitet zurückkommen kann.

 

            „Laufe die ersten zwei Drittel eines Wettkampfes mit dem Kopf und

             das letzte Drittel mit dem Herzen. Die positive Einstellung gegenüber

             Siegen und besiegt werden führt zu mehr Siegen als Niederlagen“

                                                                                  (Jack Daniels – USA 2005)

 

3-4 TE stehen im Mittelpunkt der Woche

Ein Trainingsschema unterliegt immer der Problematik das individuelle Erfahrungen, der Trainingstyp, Abweichungen erfordern. Geht man davon aus, dass die letzten 6 Wochen vor der „Saison“ (d.h. auch vor einer Hallensaison) über ihre Wettkampfleistungen, über die sportliche Form entscheiden, wenn es darauf ankommt, ist alles Training davor auf diese Inhalte ausgerichtet. 3 – 4 Haupt – Trainings – Qualitätsein-heiten stehen in der Regel im Mittelpunkt jeder Woche. Nr.1 im Prinzip am Dienstag oder Mittwoch platziert – ist auf das Leistungsziel auf der Spezialstrecke (wsA – Training) ausgerichtet, Nr. 2 zielt auf die Schnelligkeit und die Unterdistanzleistungs-fähigkeit, Nr. 3 dient der aeroben Ausdauerentwicklung und TE – Nr. 4 sollte die Intervalle für die V02max-Verbesserung beinhalten. Alles unter Berücksichtigung individueller Stärken und Schwächen. Jeweils 1-2 TE dazwischen dienen der Regene-ration.

Um die Qualität des wsA – Traings (Nr.1) durch Partner im Wettkampf zu erhöhen, kann diese Trainingseinheit durch einen Aufbauwettkampf „aus dem Training heraus“ (d.h. bei Sicherung der anderen wichtigen TE der Woche) ersetzt werden. Dazu ist zu unterstreichen das sich die wettkampfspezifische Ausdauer vor allem weiterentwickelt, wenn Streckenlänge und Geschwindigkeit der Zielstrecke möglichst nahe sind. Das erfordert mit einer offensiven, aktiven Renngestaltung allein oder in Absprache mit Partnern diese Aufgabe zu lösen und ist nicht mit einem Platzierungsziel zu verbinden. Dies macht den Wert von Aufbauwettkämpfen aus, baut mentale Stärke auf und verbessert das Selbstvertrauen. Was nützt es, wenn zweitklassige Gegner in einem langsamen Rennen besiegt wurden, man sich aber in der aktuellen Bestenliste vorn nicht wiederfindet. Das hilft dem Kopf in der Regel nicht weiter.

Aufbauwettkämpfe sind Teil von Qualitätstrainingsphasen

Auch Unterdistanz- oder Überdistanzrennen nahe an der Wettkampfstreckenlänge unterstützen den Formaufbau. Dabei sollten die anderen „Neben-Ausbildungs-aufgaben“ nicht übersehen werden, die bevorstehende Wettkampfsaison ist lang. Nicht selten sieht man wie der eine oder die andere nach solchen „Trainingswettkämpfen“ auf dem Nebenplatz noch ein mittleres Intervallprogramm, einen kurzen schnellen Dauerlauf oder ein Fahrtspiel anschließen. Aufbaurennen sollten aber auch nicht immer mit einer Zielzeit verbunden werden. Die Überprüfung der neuen Taktik, eines langen oder kurzen Spurts, des Tempogefühls für eine längere Strecke oder einer Tempowechsel-Taktik für das nächste wichtige Rennen sind wichtige Aufgaben in der Vorbereitung einer Karriere.

Wichtige Wettkämpfe umfassend vorzubereiten bedeutet:

 

            *          die klimatischen Bedingungen beim Jahreshöhepunkt (EM,WM, OS)

                        in die Vorbereitung einzubeziehen (Hitzeakklimatisation / Kleidung für Kälte oder Regen)

            *          die Zeitzonen zu berücksichtigen, auf Zeitdifferenzen vorbereiten

            *          die Höhenlage des Wettkampfortes zu berücksichtigen

            *          besondere Startzeiten (z.B. morgens) rechtzeitig zu simulieren

            *          auf Wettkampfserien (VL, ZL, HF, F) vorbereiten

            *          auf mögliche besondere Callroom – Situationen einstellen (Aufenthaltszeiträume bis zu 45 Minuten ohne große Bewegungsmöglichkeiten)

            *          Informationen vor Ort über die organisatorischen Bedingungen

                        z.B. Fahrzeiten, Fußwege zum Einlaufplatz, ohne Heimtrainer

            *          Vorbereitung auf mögliche Dopingkontrollen nach Wettkämpfen

            *          auf die Klimaanlagen bei langen Flügen einstellen

            *          Für jeden Wettkampf ist ein Plan zu erstellen, der situationsbedingt (Wetter, Bodenbedingungen z.B. beim Cross, Taktik der Gegner) zu ändern ist (Spikes, Startzeit, Mahlzeiten, Startnummer, Bekleidung usw.)

Weniger Wettbewerb führt zu leichteren Siegen oder guten Platzierungen auf einem niedrigeren Niveau. Leichtere Siege führen zu abnehmenden Anstrengungen im Training.

Foto: Valentin

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