Talent erkennen – Spezialstrecke finden

TIPPS VOM PROFI. „Die angeborenen Schnelligkeitsfähigkeiten, die aerob-anaerobe Kapazität und Talente die in die Spitze „wollen“ entscheiden über Erfolge von 800 m – 5.000 m oder im Marathon. Wichtig ist das Talent für die geeignete Strecke möglichst früh zu erkennen“ (Lothar Pöhlitz 1992)

Von Lothar Pöhlitz

Die Trainer wissen das sich bei Schnelligkeits-/Schnellkrafttypen das aerobe Grundlagenausdauer-Training weniger gut als bei den Ausdauer-Typen entwickelt, das die „Langsamen“ aber bald immer länger und wenn man Glück hat auch noch immer länger schnell laufen können. Die Sportwissenschaft weist uns darauf hin, dass das Muskelfaser-/Stoffwechsel-Erbe genetisch bedingt ist und man die unterschiedlich ausgestatteten Muskelfaser-Typen bzw. die biologischen bzw. adaptiven Reaktion nur eingeschränkt verändern, aber verstärken kann. Also gilt es demnächst die „kurzen schnellen“ und die „langen schnellen“ besser, d.h. früher richtig zu trainieren.

Erkenne das „Erbe“ für kurzes-schnelles oder langes-schnelles Laufen

Die „Stärken zu verstärken“ ist eins der wichtigsten Trainingsprinzipien beim Aufbau junger Läufer. Eine längerfristige Vernachlässigung von Schnelligkeitsfähigkeiten (FT-Fasern) führt zu Unterdistanzschwächen, ein vernachlässigtes VO2max-Training zum Mittelmaß.

 

Aufgabe ist das „Ererbte“ bis zur Perfektion zu entwickeln

 

S – Typ = Mittelstrecke 2 – 4 min

 

M – Typ = Langstrecke/Hindernis 8 – 12 – 14 min/26 – 32 min

 

A – Typ = HM/Marathon/Gehen >30´ –  1 – 2 Std.

 

*S – Schnelligkeits -/M- Mixed -/A – Ausdauer -Typ

 

Für ein Talent sind also die physischen und psychischen spezifischen Begabungen für schnelles Laufen Voraussetzung für spätere Siege gegen die Besten. Wenn die Begabung für das jeweilige Talent, das „Erbe“ für kurzes-schnelles oder langes-schnelles Laufen erkannt ist, entscheiden für Mittel- oder Langstreckler auch die mitgebrachte Siegermentalität, das Wollen „schon des/der Kleinen“ und die Qualität des Trainers ob das eines Tages etwas mit dem Podium werden könnte.

Training ist ein dynamischer Prozeß bei dem zu berücksichtigen ist welches physiologisch-muskuläre Erbe der/die Einzelne mitbringt und welche Willensqualitäten, welche mentale Stärke Athleten und Trainern zur Verfügung stehen um die jeweiligen Streckenlängen eines Tages möglichst schnell bei kürzest möglichen Pausen zurückzulegen. Alle Trainingsaktivitäten müssen letztendlich darauf gerichtet sein diese Fähigkeiten möglichst früh zu erkennen. Verbessert werden müssen schrittweise: die Techniken aller eingesetzten Trainingsübungen, die Lauftechnik, die Beweglichkeit, die aerobe und anaerobe Ausdauer, die Schnelligkeit und Schnelligkeitsausdauer, die allgemeine und spezielle Kraft, die Taktik und die mentale Bereitschaft um schnelles Laufen.

In der 1.Etappe des Jugendtrainings muß also das Ziel darin bestehen, mit Hilfe der verschiedensten Trainingsformen früh das Talent für den zukünftigen Spezial-streckenbereich Mittelstrecke oder Langstrecke/Hindernis und in der 2. Etappe bis zur U18 die Spezialstrecke zu erkennen und die Trainingsinhalte nach und nach in die entsprechende Ausbildungsrichtung zu orientieren. Mit einem möglichst komplexen Training führen die nachfolgenden Inhalte junge Läufer und Läuferinnen schneller zu ihrer zukünftigen Spezialstrecke und damit zu den erwünschten Erfolgen.

 

  • In diesem Altersbereich sollten in den zur Verfügung stehenden Trainings-einheiten immer mehrere Aufgaben gelöst werden. Am effektivsten ist, wenn in einem 120 Minutentraining, 3 x 40 Minuten oder auch 4 x 30 Minuten für unterschiedliche Aufgaben vorgesehen werden. Dazu gehört auch die dynamische Gymnastik, die das anschließende Training leichter macht und Verletzungen vermeidet.

 

  • Mit je zweimal pro Woche eher „schnell“ oder eher „lang“ fördert man das Lauftalent für demnächst. Dabei wird zweimal pro Woche „Sprinttraining mit wenigen kurzen schnellen Läufen mit Tempowechsel bis zu 30 Sekunden Dauer“ (Schnelligkeitsausdauer) kombiniert und zweimal pro Woche in Teil-TE bis zu 40 Min. die Ausdauer trainiert.

 

  • In den genannten 2 Ausdauertrainingseinheiten sollte 1x pro Woche besser in mittlerer Geschwindigkeiten (DL-2) allmählich von 10 – 20 Minuten Dauer in der „Mittelfußlauftechnik“ plus Ein- und Auslaufen den längeren langsamen Dauerläufen vorzuziehen. In der zweiten Ausdauer-TE sollte, in Abhängigkeit von der Jahreszeit, wahlweise ein Fahrtspiel mit Streckenlängen zwischen 1-3 Minuten mit halben Pausen oder Berganläufe nahe der Wettkampf-geschwindigkeit (90-100 % vom RT) zur dynamischen Muskelkraftentwicklung beitragen.

 

  • Der Ausbildung einer optimalen Lauftechnik auf dem Mittel- oder/und dem Vorfuß für das Renntempo kommt eine außerordentliche Bedeutung zu. Der Körper bleibt „groß“, Arme, Hals und Gesicht entspannt. Die Arme arbeiten aktiv in einem etwa 90 Grad Winkel (nicht quer vor der Brust) und unterstützen den bewussten hinteren Abdruck und die Entspannung der Unterschenkel durch ein aktives Anfersen. Auch der Umgang mit Schrittlängen und den Schrittfrequenzen ist Teil der Basis-Ausbildung.

 

  • Ein bis zwei Mal pro Woche zielt ein Krafttraining vor allem auf schlanke, gesunde Muskeln, die eines Tages die schnelle anaerobe Arbeit in den Wettkämpfen ermöglichen sollen. Dabei darf nicht nur die Fuß- und Fußgelenkskräftigung im Mittelpunkt stehen, sondern es muß auch die Kraft im Zentrum und im Oberkörper ausgebildet werden, die letztendlich die beste Lauftechnik in den Rennen bis ins Ziel ermöglicht. Geschwindigkeit und Leistung werden auch durch schnelle explosive Sprünge, in Vorbereitung von Muskeln und Gelenken auf spätere Plyometrics, wie z.B. Aufsprünge auf immer höhere Kästen oder Hürdensprünge, beschleunigt.

 

  • Wichtig ist aber nicht nur die Beine zu kräftigen, sondern auch die Fähigkeit zum verbesserten Gasaustausch und Sauerstoffversorgung der Muskeln und Organe durch richtige, bewusste Atmung beim Ausdauertraining zu erlernen (*siehe auch LCA vom 20.8.2017)

 

  • Die Lehre von der richtigen Ernährung ist in der Nachwuchsausbildung zu oft Stiefkind. Es muss den jungen Läufern vermittelt werden, dass sie, um die notwendige Energie für die Geschwindigkeiten im Training oder in Wettkämpfen zu haben, am besten mit „Mamas Mischkost“ die notwendigen Proportionen an Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen zuführen müssen.

 

  • Auch die Bedeutung und Inhalte des Essens vor Training und Wettkämpfen und zur Unterstützung einer schnelleren, tiefen Regeneration nach hohen Belastungen muß vermittelt werden. Dazu gehört auch das nicht vor oder nach jedem einzelnen Trainingslauf die Wasserflasche benutzt wird um die Pausen zu verlängern, sondern das besser 2-3 Stunden vor dem Training „gewässert“ wird. In den Wettkämpfen muss es auch ohne die Wasserflasche gehen.

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*siehe auch: Lothar Pöhlitz – www.la-coaching-academy.de

Foto: Matthias Behrens

 

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