Im Interview: Fachbuch-Autor Frank Henning

ZUR PERSON. Langjährig als Lauftrainer aktiv, zeigt Frank Hennig in seinem Ratgeber Marathon und Langdistanz, wie man mit umfassender Analyse verschiedener Leistungsfaktoren die eigene Laufleistung im Bereich Langstrecke und Marathon verbessern kann. Die Auswertung von Trainingsdaten wird vor allem benötigt, um eine zuverlässige Marathonprognose erstellen zu können. Mit dem exklusiv von Frank Hennig entwickelten Rechner können Läufer abschätzen, welche Leistungsperspektiven sie bei einem Wechsel auf die nächst längere Laufstrecke haben. Auch Jugendliche sollen mit den vorgestellten Trainingssystemen an den Langstreckenlauf herangeführt werden.

Hat das Laufen Ihr Leben stark verändert?

Verändert ist wohl der falsche Ausdruck. Da ich von Kindheit an immer auf den Beinen war und mich auf unterschiedlichen Strecken versucht habe, kann man eher sagen dass es mich geprägt hat. Es ist ein fester Bestandteil meines Lebens geworden und nicht mehr daraus wegzudenken. Leider kann ich aus orthopädischen Gründen nicht mehr täglich Laufen aber 4-5 Laufeinheiten pro Woche sind Pflicht. An den restlichen Tagen kommen Alternativsportarten wie Aquajogging oder Krafttraining zum Einsatz.

Auf welche Erfolge Ihrer Schützlinge sind Sie besonders stolz?

Da stehen die Cross EM Teilnahme von L. Clart 2013 die mit der Mannschaftssilbermedaille abgeschlossen wurde und der Deutsche Vizemeistertitel im 10.000 m Bahnrennen (28:54 min) von Jakob Stiller 2014 sicher an erster Stelle. Unter regionalem Aspekt kann man durchaus erwähnen, dass ich 4 Läuferinnen und Läufer trainierte die insgesamt 10 Siege beim Leipzig-Marathon erringen konnten. Dabei sollte man aber immer beachten, wie diese Erfolge entstanden sind und welch langer Weg oft davorliegt. Die erwähnten Sportler waren als ich sie im Alter von 15-17 Jahren übernahm keine Supertalente, sondern Jugendliche Laufinteressierte die keine schlechten Voraussetzungen hatten. Bei Jakob Stiller beispielsweise, war es ein über 10 Jahre langer Weg mit vielen Höhen und Tiefen.

Dann kennen Sie den Leipzig-Marathon sicherlich sehr gut? Sind Sie ihn auch schon einmal gelaufen?

Unsere Leser interessiert mit Sicherheit, welche Streckenbesonderheiten oder -tücken der Leipzig-Marathon hat? Den Leipzig Marathon bin ich 2009 selbst einmal gelaufen, als ich die damalige Siegerin C. Schipp als Tempomacher begleitet habe (Gleichzeitig habe ich noch den damaligen Männersieger M. Salii übers Telefon betreut). Eine Besonderheit ist sicher das der Kurs zweimal durchlaufen wird. Einige Tücken liegen sicher in einigen Anstiegen, die man ohne Streckenbegehung leicht unterschätzt. Da wäre insbesondere der sich hinziehende Anstieg in der Prager Straße, den man etwa bei km 5-7 und km 26-28 durchläuft. Besonders beim zweiten Durchlauf kann das richtig wehtun.

Sie sind langjähriger Lauftrainer. Jetzt haben Sie ein Buch zum Thema „Marathon & Langdistanz“ geschrieben? Was zeichnet Ihr Buch aus?

Ich denke das Besondere am Buch ist, dass es immer versucht die Brücke zwischen Sportwissenschaft und Trainingspraxis zu schlagen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Analyse der wesentlichen Erfolgsfaktoren im Langstreckenlauf.

Was begeistert Sie an der Laufanalyse und Leistungsdiagnostik?

Während meines Studienganges an der ehemaligen Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport kam ich zum ersten Mal mit Leistungsdiagnostik in Berührung. Als Sportstudent nahm ich an diversen Untersuchungen zu leistungssportlichen Parametern teil. Ich war von Anfang an von diesen Dingen so fasziniert, dass ich eigene Recherchen anstellte und die Bibliotheken nach leistungsdiagnostischen Artikeln durchstöberte. Besonders beeindruckt war ich von den Möglichkeiten aus einzelnen biologischen Parametern Rückschlüsse auf komplexe sportliche Leistungen ziehen zu können. Leistungsdiagnostische Untersuchungen sind inzwischen nicht mehr nur den Profisportlern vorbehalten, auch für Hobbyläufer finden sich zunehmend Möglichkeiten diese zu nutzen.

Worauf sollten Läufer mit Dysbalancen besonders achten?

Bei einer so gleichförmigen zyklischen Bewegung wie die des Laufschrittes ist eine stark einseitige Belastung des Muskelapparates gegeben. Dabei sind Dysbalancen nahezu unvermeidlich. Dabei spielt auch die Unterscheidung in tonische (zur Verkürzung neigend) und phasische (zur Abschwächung neigend) Muskelgruppen eine wesentliche Rolle. Muskelgruppen, die stark am Vortrieb beteiligt und/oder tonisch reagieren, müssen stärker gedehnt werden als andere. Hingegen sollte für phasische Muskelgruppen eher gekräftigt werden, insbesondere dann wenn diese Muskelgruppen als Antagonisten (Gegenspieler) für die Hauptvortriebsmuskulatur wirken.

Welchen Tipp geben Sie unerfahrenen Läufern, die gerne Ihre Leistung steigern möchten, auf den Weg?

Sie sollten nicht überehrgeizig handeln und zu hohe Belastungssteigerungen auf sich nehmen. Dabei ist ein ausgewogener Trainingsplan sehr hilfreich. Zu große Belastungssprünge (in diesem Fall meist Umfangssteigerungen) ziehen häufig gesundheitliche Schädigungen nach sich. Sie sollten sich bei einem versierten Lauftrainer Rat holen bzw. sich einen Trainingsplan erstellen lassen, der auf Gegebenheiten wie dem individuellen Leistungsstand und die berufliche Belastung abgestimmt ist.

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Frank Hennig, aktiv als Lauftrainer und Übungsleiter beim LAZ Leipzig, begann seine Trainerlaufbahn bei der HSG DHfK Leipzig. Beim SC DHfK Leipzig arbeitete er von 2007 bis 2011 als sportlicher Leiter der Abteilung Leichtathletik. Dort betreute Frank Hennig Talente wie Jakob Stiller, 10.000-m-Vizemeister 2014, und Laura Clart, aktuell Mitglied im Bundes-B-Kader Langstrecken-Marathonlauf. Darüber hinaus hält er zahlreiche Seminare und beschäftigt sich mit den Themen Präventionssport, Leistungsdiagnostik, Trainingsplanung sowie Laufanalyse.

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Frank Hennig: Foto:privat

Bibliografische Angaben:

Marathon & Langdistanz, Autor: Frank Hennig

Untertitel: Leistungssteigerung mit System

480 Seiten in Farbe, ca. 30 Fotos und 100 Abbildungen,

Klappenbroschur 16,5 x 24 cm, 1. Auflage Januar 2017

ISBN 978-3-89899-925-0, € [D] 36,-

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