Für „saubere Lauf-Spitzenleistungen“ braucht Deutschland: TALENTE – TRAINER und BEDINGUNGEN

IM WORT. Niedrige Normen führen nicht in Olympia-Finals oder zum Anspruch des DLV „Weltklasse in allen Altersklassen“. Dies hat Rio 2016 gezeigt. Deshalb wäre hilfreich baldmöglichst zu wissen ob für die DOSB – Olympiamannschaft 2020 in Tokio die Teilnahme von je 3 Athleten pro Disziplin oder die Finals als Nominierungskriterium gelten werden. Olympia-Läufer brauchen für ihren Anschluss an die Besten Profi-Trainer und natürlich Anspruch, insofern muss man ein neues, überarbeitetes Leistungssportkonzept sehr begrüßen.

 

Ein Kommentar zur DOSB-Leistungssport-Reform von Lothar Pöhlitz

Deutschen Läufer sollten – aus dem 2016 Tal heraus – „saubere Leistungen“ 2020 in die Finals führen können. Praxiserfahrung ist das unter Hochleistungstrainings-Bedingungen solche Leistungen von „echten Talenten sauber“ machbar sind, das zeigt die Vergangenheit und eigene deutsche Erfahrungen. Sie sollten meines Erachtens, wenn auch von den derzeitigen Weltrekorden noch weit entfernt, innerhalb von 4 Jahren machbar sein und dann durchaus als Erfolg (auch ohne Medaillen) gewertet werden:

Männer: 1:45 – 3:35 – 13:15 – 8:10 – 27:30 – 2:07

Frauen: 1:58 – 4:04 – 15:00 – 9:10 – 31:30 – 2:23

Dafür aber braucht man TALENTE – TRAINER und BEDINGUNGEN

Zuerst Lauf – Nachwuchsleistungssport Talente mit mehr FT-Fasern suchen und das Basistraining optimieren. Besondere Ausbildungsaufgaben ergeben sich aus der Abhängigkeit vom „ererbten Talent“, der jeweiligen Ausgangs-Leistung auf der Spezialstrecke, von der Belastung, von einer optimalen Geschwindigkeits-Umfangsbeziehung für die jeweilige Zielstrecke und der nahen Unterdistanzleistungsfähigkeit (z.B. 1.500/3.000 m-Tempo-Training für das 5.000 m Ziel). Deshalb kommt es – aus Sicht dergegenwärtigen Ausgangspositionen – darauf an mehr als bisher ganzjährigSchnelligkeit und Schnelligkeitsausdauer-TE oberhalb des Leistungszieles (105-120% vom RT) in den Trainings-prozess bereits relativ früh einzubeziehen.

Schnelligkeits- und 400m-/800m-Tempotraining fehlt nicht selten in den Programmen auch „schneller Langstreckler“. Deshalb sollte man auch einen Platz in den Unterdistanz – Bestenlisten ganz oben anstreben. Als eine Reserve für die Schnelligkeitsentwicklung im Sinne des Aufbaus vonGeschwindigkeitsreserve ist das kurze maximales „alaktazide“ Sprinttraining durch die Lichtschranke motiviert oder Handgestoppt mit langen Pausen. Deren Wiederholung ist abzubrechen wenn die Zielzeiten überschritten werden. Es gibt keinen Grund schnelle 5.000 m Läufer oder Hindernisläufer von dieser Aufgabe zu entbinden.

Spitzenleistungen erfordern professionelles Hochleistungstraining ganzjährig

Der Balance zwischen Belastung und Erholung gilt dabei höchste Priorität. Unter Hochleistungstrainingsbedingungen müssen zukünftig die Olympiastützpunkte und Bundesleistungszentren nicht nur die Trainingsbedingungen zur Verfügung stellen sondern vor allem das notwendige Belastungs-Erholungs-Verhältnis sichern helfen. Ihre Arbeit sollte mehr als bisher daran gemessen werden wie sie die komplexen Leistungssportbedingungen zur Verfügung stellen und tagtäglich sichern! Dazu zählt eine fast tägliche sportmedizinisch-physiotherapeutische Nachtrainings-Begleitung. Wie beispielsweise im Profi-Fußball müssen die komplexen Inhalte von Belastung und Erholung als Voraussetzung für den Leistungsfortschritt aus Trainersicht höchste Priorität bekommen.

Nach einer zunächst 4-wöchigen Basistrainingsphase zu Beginn eines neuen Trainingsjahres „Essen – Schlafen – Trainieren“, in der beispielsweise die Balance zwischen Kilometer sammeln – Basiskraft und zunächst 3 x wöchentlich Regenerationsunterstützung beim Physiotherapeuten für das ganze Jahr (auch in Trainingslagern) aufgebaut und organisiert wird. Mehr Qualität im Trainingsumfang und mehr Kraft kann auf dieser Grundlage mit einem Belastungs-Erholungsrhythmus von 2:1 in den Wochen erarbeitet werden. Für Gipfelwochen eignen sich mehrfache8-10-14-tägige Trainingslager (oder 22-23 Tage Höhentrainingsaufenthalte) innerhalb der Vorbereitungsperioden I + II. Die gegenüber früher veränderten mikrozyklischen Wochenbelastungsempfehlungen von 4:1 oder 3:1 hin zu 2:1 resultieren aus dem höheren inhaltlichen Qualitätsanteilen im höheren Trainingsumfang und den sich daraus ergebenden Belastungssummationen.

​Professionelles Training erfordert für Spitzenleistungen ganzjährig sportmedizinisch-physiotherapeutische Begleitung und Physioprophylaxe

Im Zusammenhang mit Belastungs- bzw. Trainingsqualitätserhöhungen wurden in der Vergangenheit immer öfter erhöhte Verletzungsprobleme und Trainingsausfälle durch zu hohe, aber notwendige Belastungen, gemeldet. Es gilt deshalb die Erfahrung dass im Hochleistungstraining auch verstärkt-aktive Maßnahmen der Vorbereitung auf Spitzenbelastungen und der gleichzeitig ganzjährigen Regeneration (DL-Reg./ Entspannungsübungen/Eisbäder/Black-roll/Entmüdungsbäder/Teil-und Ganz-Massagen/Selbstbehandlungen usw.) und physioprophylaktische Behandlungen gehören. Sie tragen wesentlich dazu bei Trainingsaufgaben ganz- und mehrjährig gesund realisieren zu können, nach jedem intensiven Training, d.h. 3-4 x pro Woche. Auch dazu brauchen Spitzen-Sportler wieder Zeit die in Wahrheit nur Profis haben. Wer mit Muskelverspannungen, Myogelosen, Muskeltonuserhöhungen,Verhärtungen, auch schon leichten Schmerzen oder Entzündungen ohne die Ursachen durch aktive Gegenmaßnahmen zu beseitigen, weitertrainiert ist der Verletzung, dem Trainingsausfall nahe oder muss sogar die Einmaligkeit einer EM, WM oder Olympiateilnahme canceln. Deshalb ist in vielen Fällen nicht die zu hohe Belastung, sondern die fehlende, dazugehörige sportmedizinisch-physiotherapeutische Begleitung und ihre regelmäßige Wahrnehmung Ursache für nicht erreichen des Weltniveaus.

…und außerdem ist das Profi-Trainerproblem noch nicht gelöst

Die alles entscheidende Frage wird aber hoffentlich von der Leistungssport-Reform auch beantwortet – aber bitte nicht erst 2020. Es sind besondere Anstrengungen zum Schwerpunkt Trainer-Fachpersonal für das Hochleistungstraining überfällig. Alle die obengenannten Probleme beginnend bei der Talentauswahl über das Nachwuchsleistungstraining zum Hochleistungstraining bei gleichzeitiger Nutzung der notwendigen Trainingsbedingungen, einschließlich der sportmedizinisch-physiotherapeutischen Begleitung, erfordern hauptamtliche Trainer die bei mindestens 80 % der Trainingseinheiten anwesend sind. Praxiserfahrung ist das ein größerer Teil der Reizwirksamkeit eines Qualitätstrainings nicht erreicht wird, wenn der Trainer nicht anwesend ist.

Foto: Pierre Ayadi

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