TRAININGSPRAXIS LAUFEN: Du warst gut – es geht aber noch mehr,,,

TRAINING. „Ein Wettkampf ist der ultimative Ausdruck der Fähigkeiten, des Trainings und der Motivation eines Läufers. Ein Wettkampf sollte für eine festgelegte Intensität / Geschwindigkeit geplant, vorbereitet und realisiert werden. Analysieren Sie die Ergebnisse eines jeden Wettkampfes und nutzen sie diese Daten um ihr Training und ihre Taktik für künftige Wettkämpfe zu nutzen.“ (Jack Daniels 2005)

 

Von Lothar Pöhlitz

Im Leistungs- und Nachwuchsleistungssport gibt es, wenn man das absolvierte Training beurteilen will, nur eine Wahrheit, die gezeigte Wettkampfleistung in der Einzeldisziplin. Natürlich ist alles erst einmal das Ergebnis des realisierten Trainings, da sind aber auch das Umfeld, die jeweiligen Bedingungen und die mentale Stärke, die Befehle aus dem Kopf. Mittel- und Langstreckler können nicht – wie die Sprinter oft – ihre mittelmäßigen Leistungen in Staffeln verbergen oder im Sommer 30 x ihre Wettkampfstrecke laufen. Erfolgreiche Wettkämpfe bleiben trotzdem Ziel und Aufgabe zugleich. Sie widerspiegeln die Wahrheit über die absolvierte spezifische Trainingsarbeit innerhalb des letzten Trainings- und Wettkampfjahres bzw. der letzten 3 Monate, die Stärken und Schwächen im Kampf um den Sieg oder die Willensqualitäten im Kampf um die neue persönliche Bestleitung. Dabei begegnet man hin und wieder der oft zu einfachen Bezeichnung „Trainingsweltmeister“ für diejenigen denen es noch an mentaler Stärke fehlt. Dabei sind gezeigte Wettkampf-Leistungen immer auch das Ergebnis von Trainerarbeit.

Wettkämpfe entscheiden altersabhängig über Qualifikationen für die unterschiedlichsten Meisterschaften, weisen Fortschritte oder Stagnationen in einem mehrjährigen Aufbau- oder Anschlusstraining aus oder bieten den Medien die Chance zum Jubeln oder zum Verriss je nachdem ob das prognostizierte Podium geschafft oder verpasst wurde. Für Läufer bedeutet das, dass nach einem längerfristigen Trainingsprozess „Kopf und Beine“ in wichtigen Rennen, vor allem beim jeweiligen Höhepunkt top funktionieren müssen. Meister unter den Besten wird man bekanntlich wenn man ein hohes Tempo halten und lange bei den gleichstarken Konkurrenten bleiben kann um auf der Grundlage eines hohen Vertrauens in die besseren Spurtfähigkeiten sie am Ende doch zu besiegen. Dies vorzubereiten braucht Zeit und um Topleistungen zu entwickeln oft auch Geduld. Aber es sollte früher beginnen als derzeit üblich. Meine Philosophie zielt zuerst auf die Technikausbildung, dann auf mehr Geschwindigkeit im allmählich steigenden Trainingsumfang.

Die Wettkampfleistung widerspiegelt den Stand der Ausbildung: Aufbauwettkämpfe – weniger wichtige und wichtige Wettkämpfe

Nur in wichtigen Wettkämpfen, in dem man alle psychophysischen Fähigkeiten, alle Energie und die mentale Stärke mobilisieren muss, zeigt sich der Ausbildungsstand, ob die für die Leistungsabgabe notwendigen Mosaiksteinchen schon alle zusammengefügt zur Verfügung standen, die „wahre“ Leistungsfähigkeit vorzeigbar war. Erfüllen sich die Erwartungen nicht sollte man zuerst darüber nachdenken was falsch gelaufen ist, ob man zu schnell oder zu langsam angelaufen ist, ob man zu lange „eingeklemmt ganz innen“  es verpasst hat als die Post abging oder ob das mit dem notwendigen Tempogefühl für die angestrebte neue persönliche Bestleistung nicht funktionierte. Also aufarbeiten und zum nächsten Rennen „besser vorbereitet“ – vor allem mit dem notwendigen Tempogefühl –  zurückkommen. Tempogefühl bedeutet die Bahnrunden mit höchstens 0,5-1 sec Abweichung vom Renntempo-Ziel wiederholen zu können.

Aufbauwettkämpf zum besten Qualitätstraining nutzen

In einer „Positiv-Wettkampf-Phase“ sollte man nach 2-3 Rennen in kurzer Zeit nicht verpassen durch ein Zwischenwettkampftraining von vielleicht 10 – 14 Tagen den aeroben Unterbau aufzufrischen und auch etwas für ein wenig mentale Regeneration zu tun.

Aufbauwettkämpfe dienen der Ausbildung, der Erprobung des im Training geübten und der Erkennung von Stärken und Schwächen. Vor der Hauptwettkampfzeit fordern sie die psychophysische Härte heraus und können durch unerwartet positive Ergebnisse ein neues Selbstvertrauen für demnächst hervorbringen. Sie sind das beste wettkampfspezifische Training weil sie im Vergleich zur Spezialstrecke lang oder der Unter- oder Überdistanzüberprüfung dienen können, dabei unter Wettkampfbedingungen mit etwas Druck „schnell“ ablaufen sollen. Insofern können sie das „beste Qualitätstraining der Woche“ in dieser Zeit einmal gut ersetzen. Dabei sollte es im Leistungssport das Prädikat „Frühform“ nicht geben. Erfüllt der Wettkampf die Aufgabe einmal nicht, sollte er als Ersatz für die vielleicht nur zweitwichtigste Einheit eingestuft werden.

Schon in jungen Jahren müssen die Talente die Rekord- bzw. Sieg-Taktik üben, sowohl als Frontrunner mit einer konstanten Geschwindigkeit den Gegnern die eigene Stärke aufzwingen, als mit unterschiedlich langen Spurts (300 m langer oder 120 m kurzer Spurt) die eigenen Schwächen erkennen dürfen. Aufbauwettkämpfe sollten deshalb immer mit zu lösenden Aufgaben verbunden werden. Die danach evtl. notwendige Manöver-Kritik sollte mit den Aufgaben verbunden ausfallen mit denen die Schwachstellen auszubügeln sind. Das sollte immer auch die weitere Verbesserung der Lauftechnik und Laufökonomie einschließen.

Das positive Urteil nach dem Rennen beinhaltet die Aufgaben für demnächst: „Du warst gut, aber nun musst Du mehr wollen“

Freuen Sie sich als Trainer mit ihren Schützlingen wenn die Erwartungen übertroffen wurden, zur Euphorie gibt es im Leistungssport aber erst Grund wenn die Leistung in der Tat außergewöhnlich und mit einem Sieg verbunden war. Bis dahin sollte am besten die Formulierung „Du warst gut, aber ich glaube Du kannst noch mehr wenn Du mehr willst“ bereits auf Reserven, die Aufgaben im Training der nächsten Tage oder Wochen hinweisen. In jedem Rennen gibt es Verbesserungsmöglichkeiten, die sollten mit Abstand – vielleicht beim nächsten Training – positiv aufgearbeitet werden.

Wurden die Erwartungen nicht erfüllt – und das ist doch gar nicht so selten – zeigen sie möglichst sachlich – ruhig die gemachten Fehler auf, wie der Wettkämpf hätte besser laufen können, welche renntaktischen Fehler gemacht wurden oder wo die Geschwindigkeit nicht zum aktuellen Können passte und „was wir“ demnächst im Training üben müssen. Trainer sollten immer bedenken dass sie an Niederlagen genauso beteiligt sind wie an Siegen, weil das Gezeigte immer als Ergebnis gemeinsamer Trainingsarbeit angesehen werden muss. Trainer  haben nichts gewonnen wenn ihre Athleten ins nächste Training lustlos und unmotiviert kommen, auch weil Sportler die Fehler nicht mit Absicht gemacht haben.

„Es zählt nicht, wie oft Du hinfällst, sondern dass Du immer wieder bereit bist, aufzustehen“ (Simon Stützel)

Foto: Theo Kiefner

 

 

 

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