Trailrunning-Schuhtest: The Northface – „Ultra Endurance“

TRAILRUNNING. Als ich die Pappbox aufmachte, da fühlte ich mich wie ein kleiner Prinz. Denn dieser Schuhkarton, ja der hatte schon etwas. Edles Schwarz. Ein Schubfach wird geöffnet und aus den schwarzen Tiefen blenden Blau und Grün den Betrachter. Was in aller Welt ist das? Klar. Es kann nur ein Laufschuh sein. Aber der erste Eindruck der sitzt und der Karton wird sofort zweckentfremdet (siehe auch Trailgeflüster vom 30. April).

 

Ich nehme den „Ultra Endurance“ aus der Kiste und wiege ihn in der Hand. Gewicht? Nicht sehr leicht, aber auch nicht zu schwer, gute 300 g. Für Sekundenjäger also nicht unbedingt ein   Wettkampfschuh. Die Form? Der Schuh wirkt etwas kantig und man sieht sofort, dass hier eher auf Komfort und Schutz geachtet wurde. Dick ist der Schaft gepolstert und auch an Sprengung wurde nicht gespart. Als Natural Runner bin ich natürlich Sprengungen von weniger als 4 mm gewohnt, dieser hier hat genau das Doppelte davon, aber trotzdem reizt mich dieser Schuh. Zumal es mein erster Treter dieser  Marke ist. Ich muss sogar gestehen, ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal, dass auch THE NORTHFACE auf den Trailrunning-Hype reagiert hat und nun einen Laufschuh hat. Mit dem MT gibt es sogar ein Modell, welches in die Kerbe des Pioniers Salomon Speedcross schlägt. Alle Achtung. Denn bis dato war mir dieses Label eher im Bereich Outdoor und Wanderausstattung bekannt. Doch uns Kunden sollte das freuen. Mehr Angebot, mehr Auswahlmöglichkeiten.

Die Wege sind schlammig und der Trail verspricht Spaß. Vor meiner Haustüre lockt ein vielseitiges Gelände und so düse ich gleich einmal los. Der Schuh ist schmal geschnitten und sitzt fest am Fuß. Kein rutschen oder reiben, ein dicker Pluspunkt.

Im Flachen schluckt der Northface sämtliche Unebenheiten, man merkt deutlich, wie er über Stein und kleine Wellen hinweg rollt und dem Läufer ein Gefühl von Sicherheit verleihen. Gut gepanzert von unten und dick gepolstert wird dem Fuß nichts passieren. Auf wurzeligen Passagen erfährt man wieder diesen Panzer-Effekt. Die Auftrittsfläche ist relativ groß, da die Sohlen seitlich nicht abgerundet und damit an die Fußform angepasst sind. Dies hat den Vorteil, dass man kleine Unachtsamkeiten, bei denen man auch schon einmal Gefahr läuft umzuknicken, mühelos überspielt. Schließlich will man ja laufen und sich dabei die Gegend anschauen und nicht immer hochkonzentriert auf den Weg starren müssen.

Tests an extrem steilen und feuchten Anstiegen, die nur noch auf allen Vieren machbar sind zeigen, dass der Schuh zwar ein guter Allrounder ist, aber auch seine Schwächen offenbart. Wer punktuell seine Kraft auf kleine Flächen verteilen möchte, der scheitert recht schnell. So konnte ich an steilsten Stellen, bei voller Konzentration auf die Zehen, keinen Grip finden und rutschte weg. Das ist aber ein Phänomen, welches bei sämtlichen Stabil-Schuhen zu sehen ist. Die Sohle ist zu hart um fein zu dosieren. Es ist wie beim Klettern. Wer dicke Handschuhe trägt oder keine Kraft im Finger hat, der schafft es nicht, sich nur mit einer Fingerspitze im Fels zu verkanten. Andererseits muss man seine Füße nicht monatelang an diesen Schuh gewöhnen, so wie wenn z.B. auf Natural Running umstellt wird und man sich wundert, wie schmerzhaft es ist, quasi barfuß durchs Gehölz zu  rennen. Füße brauchen Bewegung. Nicht nur bis hinunter zum Knöchel sondern ganzheitlich. Wir haben über 30 Gelenke im Fuß. Diese wollen gefordert werden. Aber das ist ein anderes Thema.

Im wilden Gelände macht der Northface eine gute Figur und auch im Flachen lässt er sich gut an. Allerdings würde ich ihn nicht für extra lange Strecken oder Bergläufe tragen. Da stört mich dann doch das Gewicht. Er ist ein stabiler und zuverlässiger Wegbegleiter für normal- bis schwergewichtige Läufer und macht optisch auch als Freizeitschuh eine gute Figur. Und er ist auch da stark, wo THE NORTHFACE schon seit Jahren zu Hause ist. Nämlich auf dem Wanderweg. Es gibt auch noch die Möglichkeit, den Ultra Endurance mit Gore Tex, sprich als wasserdichte Variante zu erwerben.

Nach mehreren Monaten Tragezeit sieht auch das Profil noch ordentlich aus. Wie die meisten Hersteller setzt auch THE NORTHFACE auf die bewährten Gummimischungen von VIBRAM. Die Investition ist also eine Gute, denn der Schuh hält, was die Sohle verspricht.

Viel Spaß im Wald!

Euer Andreas Eberhardt

 

 

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