Wie Weihnachten und Geburtstag…

TRAILRUNNING. Kennen Sie diese Mogelpackungen? Diese Pakete, die Großes erahnen lassen und dann nur Kleines zu Tage fördern? Meist findet man diese bei Spielzeug, Rasiersets oder Chipstüten. Sie gaukeln ein Mehr vor und verleiten so zum Kauf. Dann gibt es noch die Minimalverpackungen. Diese bestehen aus Plastikfolie und wickeln sich um Frischeprodukte wie Fleisch oder Käse. Hier spielt die Hygiene eine maßgebliche Rolle und die Aufmachung ist unwichtig, da das Produkt schon für sich spricht. Und dann findet man, bei hochwertigeren Produkten wie Parfums oft Kartonagen, die Exklusivität versprechen, die Sinne anregen und so zum Kauf animieren.

Schuhe wiederum werden meist in Kartons gesteckt, damit man sie besser stapeln und effizienter transportieren kann. Wer Schuhe kauft, entscheidet sich meist dazu, die Verpackung im Geschäft zu lassen. Denn Pappkartons hat man daheim meist schon genug und der Weg zur Atlpapiertonne im Keller ist weit.

Auch meine persönliche Schuhkarton-Sammlung tendiert gegen Null. Zum Lagern benutze ich Plastikboxen und Holzkörbchen.

Doch Ausnahmen bestätigen die Regel.

So überbrachte mir der Postbote kürzlich ein Paket. THE NORTHFACE hatte mir einen Test-Schuh zukommen lassen (Testbericht folgt). Doch bevor ich meine Füße in die edlen Treter stecken konnte, machte ich die Bekanntschaft mit einer etwas anderen Schuhverpackung. Wie in eine Schublade gelegt, musste man die zweiteilige Box zuerst auseinander ziehen um an das Herz der Verpackung zu gelangen. Eine Schmuckschatulle im Großformat, quasi.

Mir gefiel das sehr gut. In edles Schwarz gehüllt, strahlte mir da ein leuchtend blau-grüner, grob profilierter Laufschuh entgegen und schrie: „Lass mich hier drin, es ist so kuschelig“.

Selbstverständlich tat ich ihm diesen Gefallen NICHT! Ich wollte raus, an die Luft. Und zwar mit dem neuen Schuh am Fuß. Doch zuvor waberten meine Gedanken noch um diese wunderschöne, edle Verpackung. Was tun damit? Wohin? Ich wanderte durch die Wohnung, auf der Suche nach einer geeigneten Zweckentfremdung. Und diese war schnell gefunden. Kurz ausprobiert und tatsächlich. Die Maße passten perfekt. Meiner Angewohnheit, Schallplatten, die ich gerade hörte, immer auf den Boden zu stellen, sollte endlich ein Ende gesetzt, und den edlen Vinylscheiben auch bei der Zwischenlagerung ein gebührendes Umfeld geboten werden.

Und überhaupt passte der schwarze Karton wunderbar zu meiner Wohnzimmereinrichtung. Ganz verliebt in den neuen Anblick, setzte ich mich und legte eine Platte auf. Wirklich schön, diese neue Kiste. Ich ließ mich vom Beat eines alten Klassikers von TRIO einlullen.

Was wollte ich eigentlich heut noch machen? Ach ja. Platten sortieren. Also begann ich meine letzten Erwerbungen zu sortieren. Wo war die LP von Marsimoto nochmals? „Da, da, da“, tönte die Antwort aus den Lautsprechern. „Aha“, genau. Danke. Ich versank in der Welt der Musik und strich verliebt über die lackierte Pappe, meiner neuen Schuhkarton-Schallplatten-Zwischenablage. Was für ein schöner Schuhkarton.

Schuhkarton? Da war doch was… ach ja. Wollte ich nicht laufen gehen? Die neuen Treter testen?

Mühsam erhob ich mich vom Teppich. Wo hatte ich die neuen Schuhe nochmal abgestellt?

„Da, da, da!“

Euer Andreas Eberhardt

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