Ist Sport am frühen Morgen schlecht für den Kreislauf ?

Doctor writing

 

LAUFZEIT&CONDITION-Leserin Marlies D. fragt: Katrin K.: Ist Sport am frühen Morgen (sprich ca. 7.00 h) schlecht für den Kreislauf ?

 

Dr. med. Rudolf Ziegler:  Frühsport kann durchaus für Menschen mit zu niedrigem Blutdruck wie auch mit zu hohem Blutdruck  zu einem Problem werden. Speziell beim Einsteiger, z.B. ins Walking oder Jogging, provoziert niedriger Blutdruck am Morgen häufig Schwindel und allgemeines körperliches Unwohlsein, bis der Trainingsfortschritt diese Symptome automatisch vergessen macht, da nun die Blutdruckhöhe bedarfsgerecht justiert werden kann. In der Anfangsphase empfehle ich den Betroffenen daher Kreislauftropfen, z.B. 15 – 2O Effortil-Tropfen mit etwas Wasser auf nüchternen Magen. Ganz anders gelagert ist die Situation bei Patienten mit erhöhtem Blutdruck. Gemäß der aktuellen Empfehlung beginnt dabei ein behandlungsbedürftiger zu hoher Blutdruck bereits ab 145 mm Hg systolisch bzw. 85 – 90 mm Hg diastolisch, gemessen im Sitzen oder Liegen, ohne vorausgegangene Belastung. Wichtig : Sollte bei Ihnen ein zu hoher Blutdruck festgestellt werden, immer an beiden Armen messen lassen, es könnte sich auch um eine einseitige Gefäßerkrankung handeln. Die Höhe der unter einer Belastung erreichten Herzfrequenz (= Zahl der Herzschläge pro Minute) korreliert nicht mit der Blutdruckhöhe. Daher sollte jeder angehende Sportler und jede Sporteinsteigerin zuvor grundsätzlich ein Belastungs-EKG geschrieben bekommen, da bei dieser Untersuchung automatisch auf jeder Belastungsstufe der Blutdruck mitbestimmt wird. Denn die Praxis hat uns Ärzte gelehrt, dass es durchaus nicht selten erst unter Belastung zum Auftreten eines krankhaft erhöhten Blutdrucks kommen kann. Gerade für Sportler die Abnehmen wollen, ist der morgendliche Nüchternsport frühmorgens ideal. Bei niedrigem morgendlichen Stresshormonspiegel und niedrigem Insulinspiegel (Blutzucker-regulierendes Hormon aus der Bauchspeicheldrüse) ist die Chance besonders groß, dass im Vergleich zu sonstigen Tageszeiten während der sportlichen Aktivität relativ mehr Fettsäuren im Energiestoffwechsel umgesetzt werden, eine dem jeweiligen Trainingszustand angepasste Belastungsintensität vorausgesetzt. Zusätzlich bietet der mobile Einstieg in den noch jungen Tag die wundervolle Gelegenheit, die beruhigende Wirkung von Wald und Flur zu genießen („aktives Erwachen“) und damit mit ganz anderen Eindrücken ins Berufsleben zu starten, von der Vorfreude auf ein vollwertiges Frühstück mit frisch gepresstem Orangensaft ganz zu schweigen. Ich kann daher Ihr verstärkt erlebtes Gefühl von Frische und Wachheit nach Ihrem nur all zu gut nachvollziehen, weiter so!

 

Foto: thinkstock / 478162622

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*