H.I.T., Black Roll und noch mehr so Zeugs… Teil 2

Man holding rubber belt in physical therapy centre

TRAILRUNNING. Faszinierend diese Faszien, oder Teig rollen war früher. Es ist schon ein paar Jährchen her, da fiel mir eine Anzeige in einem Fitnessmagazin auf. Ein Stück Plastikrohr wurde da angeprießen. Man sollte sich einfach darüber rollen und schon wären Muskelschmerzen Geschichte. Glauben konnte ich das nicht. Denn ich war der festen Überzeugung, dass mein Körper 1.000 Qualen erleiden würde, wenn ich mich meine Gliedmaßen bei Volllast über dieses Rohr ziehen würde. Keine Muskelschmerzen mehr, dafür aber alle Knochen gebrochen. Trotzdem war ich neugierig geworden. Mein nächster USA Trip stand an und wie es der Zufall so wollte, fand ich so eine Schaumstoffrolle im Fitness Club meines Hotels.

 

Ich starb an jenem Tag dann tatsächlich tausend Tode. Aber ich liebte diesen Schmerz und lebte meine masochistische Ader mal so richtig aus. Nach dem Schmerz kamen die Nachwehen. Mein Körper arbeitete. Unglaublich, wie viele Wirbel knackten, als ich das erste Mal meinen Rücken ausrollte. Den ganzen Tag spürte ich noch, wie es in mir rumorte, knackte und blubberte, so wie in einem alten Kahn, der wieder flott gemacht wird..

Keine Frage also, dass ich eine Hartschaumrolle namens Black Roll besorgte. Die Harte Version, versteht sich. Und nun rolle ich munter mehrmals wöchentlich meinen Adoniskörper aus, presse meine Waden in den Kunststoff und suche Zenitmeter um Zentimeter nach schmerzenden Punkten in mir, an welchen ich dann versuche die Rolle besonders lange drauf zu halten.

Es gibt ja bereits Gerüchte, dass diese Rolle einen ganzen Industriezweig in den Ruin getrieben hat. Denn wer rollt, der spart sich das Geld für die Domina im S&M Studio.

Was aber ist nun das Besondere an der Black Roll (die es in verschiedenen Härtegraden gibt und die natürlich auch unter anderen Namen verkauft wird)? Die Faszien sind die Weichteil-Komponenten des Bindegewebes, die den ganzen Körper als ein umhüllendes und verbindendes Spannungsnetzwerk durchdringen. So findet man es, auf den Punkt gebracht, auf Wikipedia. Vereinfacht gesagt umhüllen die Faszien alle Organe, Drüsen und Muskeln und halten diese in ihrer Form. Durch Verklebungen und Knötchenbildungen der Faszien können Schmerzen und folglich Leistungseinbußen entstehen. Und hier setzt die Black Roll an. Sie streicht Verknotungen aus und macht das Bindegewebe wieder geschmeidig. Das kann extrem schmerzhaft sein, tut aber, sobald man sich an diese Schmerzen gewöhnt hat, sehr gut. Die Durchblutungsförderung und die Vorbeugung vor Muskelkater ist dabei nur einer von vielen Nebeneffekten.

So viel einmal ganz, ganz vereinfacht zum Faszientraining.

Ein guter Freund und ehemaliger Marathonprofi, meinte einmal zu mir, er ärgere sich, dass nicht er diese Rolle erfunden habe. Wieso kommt man nicht selbst auf so eine Idee?

Zu seiner Verteidigung sei angemerkt, dass die Faszien ja erst vor einigen Jahren in ihrer jetzigen Form entdeckt wurden. Also konnte man sie in den 90ern noch gar nicht massieren. Wer weiß wie es heute um den Laufsport bestellt wäre, wenn wir die Faszien schon vor 30, 40 Jahren entdeckt hätten. Wir Menschen wären heute um Lichtjahre schneller und die 2 Stunden-Marathon-Marke wäre im längst schon gefallen. Wartet nur einmal ab, was passieren wird, wenn sich in Kenia und Äthiopien jeder seine eigene Faszienrolle kaufen kann. Ebenso auf Jamaika. Dann gibt’s die 100 Meter in 8 Sekunden! Das wird kommen. Denn bald schon wird deren erste Generation der „Schaumstoffrollenläufer im wettkampffähigen Alter sein. Und mit ihr die Gefahr, dass Europas Laufsportszene noch weiter abgeschlagen wird. Daher mein Appell an alle Verantwortlichen im DLV:

Kauft Rollen und schult rollen, dann schöpft Ihr aus dem Vollen!

Wie gesagt, ich persönlich halte viel von Crosstraining, intensiven Einheiten und Faszientraining. Denn all diese Trainingsarten bringen mich ans leistungs- oder schmerzbedingte Limit. Und wenn es schmerzt wie blöd, dann muss es doch helfen, oder? Psychologisch fühle ich mich zumindest fit wie nie zuvor. Allerdings sind meine Lenze bereits gezählt und meine Bestleistungen sind Geschichte. So wie vermutlich auch bei einigen meiner Leser. Daher rufe ich 2016 als das Jahr Eins nach HBC (1 n.HBC) aus.

Denn wer in Zukunft seinen Enkeln von seinen persönlichen Rekorden erzählen möchte, der wird hinzufügen müssen, dass das lange vor H.I.T., Black Roll und Crossfit war. Vielleicht bewahrt uns das vor deren mitleidigem Lächeln. Denn die Nachkommenschaft wird fit sein. Crossfit ist ein Unterrichtsfach, jedes Wochenende wird ge-Volks-rollt und im Jahr 2030 n.HBC wird gerannt und gesportelt als gäbe es kein Morgen.

Unsere Kinder können ja bis heute nicht verstehen, wie wir unsere wilden Jahre ohne Handy überleben konnten. Und unsere Enkel werden ähnlich denken. Ohne Black Roll? UNVORSTELLBAR!

Ach was freu ich mich jetzt schon auf den Schaukelstuhl, auf dem Schoß meiner durchtrainierten Enkel und die langen Abende voller spannender Geschichten längst vergangener Laufeinheiten („ja Opa erzähl mal, aber machs kurz, wir müssen zum Training“).

Schnarch….

Euer Andreas Eberhardt

Foto: thinkstock / photodisc

 

 

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