Max Manroth: Ein Mann mit viel Gefühl in den Fingern

ZUR PERSON. Mit diesem Portrait starten wir eine neue Reihe, in der wir in den kommenden Monaten Athleten, Trainer, Betreuer und Mitarbeiter aus der Laufsportszene genauer vorstellen möchten. Los geht’s mit Max Manroth: Ein Masseur, der seinen Beruf als Berufung versteht. Max Manroth arbeitet eher im Hintergrund und dennoch – ohne ihn wären die Athleten aufgeschmissen. Er ist der „Kneter“ der LG Olympia Dortmund.

 

Max hat einen neuen Gast im Zelt. David zieht sich die Schuhe aus und stellt sich auf die blaue Schaumstoffmatte, die Max bereit gelegt hat. „Damit ihr keine kalten Füße habt, wenn ihr die Schuhe auszieht“, sagt er. Beim letzten Wettkampf hatte er die noch nicht. Seine Athleten sollen sich wohlfühlen, deswegen will er ein Optimum an Komfort. David legt sich auf die Bank, die ebenso zu Max festem Equipment zählt. Er hat seine 5.000 m bei den deutschen Jugendmeisterschaften in Jena bereits hinter sich. Das rechte Bein ist dran. Immer wieder streicht Max mit seinem Daumen über die Wade, und schiebt ihn der Wade entlang nach oben. „Geht das?“, fragt er. „Das geht gerade noch. Wenn’s wehtut, dann schrei ich schon“, sagt David. Da hält Max nichts von. Schmerzen solle keiner haben. Das entspräche nicht seiner Philosophie.

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Zwei große Berufskarrieren hat er bereits hinter sich: als Offizier bei der Bundeswehr und als stellvertretender Protokollchef der Bundesregierung für das Inland. Dort war er zum Beispiel für die Organisation großer internationaler Konferenzen verantwortlich. 2009 dann der Bruch. Noch einmal neu starten. Eine Ausbildung zum Sportmasseur. Warum? Auf Berufswegen kam er immer wieder damit in Kontakt. Inzwischen besitzt er diverse staatliche Trainerlizenzen. Durch einen Krankheitsfall in der Familie beschäftigt er sich immer mehr mit muskulären Erkrankungen. Und er will etwas Neues machen, etwas anderes, etwas, das Spaß macht – und das hat er für sich gefunden. „Kneten“, Sportmassagen, darin kann er aufgehen.

Er massiert mit viel Gefühl und das sieht man. Auch wenn man ihm das rein äußerlich gar nicht zutrauen würde. Eine Karriere bei der Bundeswehr? Das sieht man. Aber den Massage-Therapeuten? Den sieht man nicht, auf keinen Fall. Max ist groß und kräftig mit breiten Schultern, er trägt eine Glatze. Seine 57 Jahre kann man ihm nicht ansehen.

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Von der Wade arbeitet er sich langsam das Bein hoch. Dann fasst er an das Schienbein und klappt es nach oben hoch. „Hier hinten geht gerade der Muskel zu“, David schreckt hoch und verzieht das Gesicht. „Der ist aber frech! Haben wir ihm das erlaubt?“, fragt Max. Dann stemmt er sich gegen den Muskel. Er weiß genau, wo er ansetzen muss, damit der Muskel sich sofort wieder entspannt. Es dauert nicht lange, da bedankt David sich lächelnd. Der Schmerz ist weg. Immer wieder lacht auch Max, albert herum und „knetet“ – so nennt er das, wenn er anderen die Muskeln auflockert.

Eine lange berufliche Reise liegt hinter ihm mit den verschiedensten Stellen – eine spannender als die andere. Dort hat er immer wieder neue Leute kennengelernt, die ihm andere berufliche Wege geöffnet haben. Dennoch hat er immer nach Bauchgefühl entschieden. Immer das gemacht, was ihm für richtig erschien und das, was Spaß gemacht hat.

Dazu zählen dann eben auch Wettkampfwochenenden in anderen Städten wie dieses nach Jena. „Betreuung der Athleten, das ist für mich ein Hobby“, sagt er. „Am meisten Spaß macht mir, wenn Leute zu mir kommen mit den wildesten Geschichten, was ihnen alles wehtut und wer ihnen nicht helfen konnte“, wenn in den Sternen steht, ob ein Athlet zum Wettkampf antreten kann. „Und ich merke dann, es ist eigentlich nur ein muskuläres Problem und hinterher können die Leute dann doch zum Rennen antreten“, ergänzt er und lächelt dabei. Die strahlenden Augen, wenn er jemandem geholfen habe, seien unbezahlbar.

Max ist fertig mit der Behandlung. Verwundert guckt er David an, dann sucht er den Boden ab, beugt sich runter und hebt etwas auf. „Die solltest du so nicht liegenlassen. Da braucht nur mal einer unter die Bank treten und dann siehst du nichts mehr“, sagt er und reicht David seine Brille entgegen. Dabei wirkt er eher wie ein Aufpasser, der will, dass es allen gut geht. Betreuung der Athleten bedeutet für ihn eben nicht nur seine Patienten gesund zu kneten. Da gehört für ihn viel mehr dazu.

Zweimal in der Woche war er für zwei Stunden in der Halle für die Athleten da. Inzwischen ist er nur noch einmal die Woche vor Ort. Dafür knetet und trainiert er die Sportler nach Absprache zusätzlich bis zu 8 Stunden wöchentlich in seinem privaten Studio zu Hause. Geld nimmt er dafür nicht – auch nicht für die Termine in der Halle, weder von seinen Patienten, noch von den Vereinen.

Auf wichtigen Wettkämpfen ist er rund um die Uhr dabei – und steht immer zur Verfügung. Von morgens um neun, bis um halb eins am nächsten Morgen, wenn es sein muss. Dabei ist er ein fester Teil des Teams, ein fester Teil der LGO. „So wie andere für einen Fußballverein brennen, so brenne ich für die LGO“, sagt er.

Bei der LGO kann er seiner Leidenschaft nachgehen. „Mit dem Wissen von heute und den Möglichkeiten von damals hätte ich wahrscheinlich nachdem ich beim Innenministerium aufgehört habe schon in Richtung Physio gehen sollen, aber das hat sich nicht ergeben“, meint er rückblickend. „Die Leute kommen von der Bank runter und können sich wieder richtig bewegen, das sind so Momente, die sind unbezahlbar“, schmunzelt Max. Das sind Momente, in denen er genau so glücklich ist, wie der Athlet selbst. Das sind Momente, die das „Kneten“ zu seiner Leidenschaft machen.

Lisa Posorske

 

Titelfoto: thinkstock / endopack

Fotos (2): Yoshi Müller: Max Manroth bei der Arbeit.

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