In Afrika laufen alle Kids barfuß: Barfuß im Vorschulalter, in der Jugend und auch für ambitionierte Senioren

TIPPS VOM PROFI. Trainer müssen als Spezialisten für richtiges laufen sowohl die Vermittlung einer dem Ausbildungsstand der Füße, Beine und dem Zentrum entspre-chende optimale Technik vermitteln können, eine Laufganganalyse beherr-schen – oder sich auch Hilfe beim Orthopäden holen – und über vielfältige Mittel und Methoden zur Fehler- bzw. Schwachstellenbeseitigung verfügen.

 

Von Lothar Pöhlitz

Die Strukturen eines Läuferfußes auszubilden ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Erschließung individuell größerer Möglichkeiten in den Mittel- oder Langstreckendisziplinen.

Bei der Entwicklung des Herz-Kreislaufsystems, des Stoffwechsels oder der speziellen Fußkraft barfuß ist aber Vorsicht geboten. Es droht auch Überlastung wenn die Anforderungen nicht schrittweise aufgebaut werden.

Auch, weil oft bereits früh im Säuglingsalter den Kindern das so gesunde Barfußlaufen abgewöhnt wird. Es beginnt damit das die stolze Oma als erstes Mitbringsel ein Paar „süße kleine Schühchen“ für die Kleinen im Kinderwagen dabei hat und setzt sich fort mit der Sorge der Mama das die kleinen Füßchen beim Barfußlaufen Schaden nehmen könnten.

Da wird nicht nur die Entwicklung der Fußmuskulatur, der Gleichgewichtsfähigkeit im „Zentrum“ und  die Ausprägung des Fußgewölbes behindert, sondern oft auch die natürliche Gelenkbewegung in falsche Bewegungsbahnen gezwungen. Barfuß auf allen Untergründen, in der Wohnung, im Garten, über Wiesen und Felder, im Sand oder auch über Steine im Säuglings- und Vorschulalter ist das beste was Eltern ihren Kindern für das Leben mitgeben können.

„Um die 30 Knochen und Gelenke und viele große und kleine Muskeln und Sehnen sorgen für den Vortrieb, das Gleichgewicht und die Beweglichkeit. Und die Fußreflexzonen mit ihren vielen Sensoren geben dem Körper „vielfältige Befehle“ und sichern nicht nur den aufrechten Gang. Nicht trainierte Fußgewölbe deformieren und führen zu Senk-, Spreiz-, oder Plattfüßen. Gesunde, leistungsfähige Füße liegen nicht mit der Fußfläche auf. Längs- und Quergewölbe werden durch Muskeln verspannt und durch Sehnen und Bänder stabilisiert“ (Lothar Pöhlitz LCA 2009)

Vielleicht gehören sie auch zu denen, die sich mit Fehlstellungen „unten“ rumplagen. Verspannungen, Schienbeinschmerzen, Achillessehnenproble-men, Fersensporn, muskuläre Dysbalancen und Ungleichgewichte in der Körperhaltung, Beckenschiefstände oder Knie- und Rückenbeschwerden haben nicht selten ihre Ursachen im zu schwachen „Fahrgestell“ unten.

Der Fußaufsatz- und abdruck überträgt sich über Knie, Becken und Wirbelsäule bis in den Kopf, beeinflusst die Körperposition über den Beinen und kann sogar über das Nervensystem zu inneren Funktionsstörungen führen.

Mit zunehmender Läuferbelastung führen die lange verdeckten Schwachstellen eines Tages zum Teil zu langen Trainingsausfallzeiten. Und über die Bedeutung von Fußreflexzonen hat sie sicher schon einmal ihr Haus-Sportarzt aufgeklärt. Hat er ihnen auch gesagt, dass es da Versäumnisse im Vorschulalter gegeben haben könnte.

Barfußlaufen früh erlernen und systematisch „trainieren“

Bevor man barfuß Ausdauer trainieren kann bedarf es Zeit und Geduld, Monate, Jahre und einen systematischen Anforderungsfortschritt. Da dürfen die Barfußläufer mit der dunklen Hautfarbe nicht als Vorbild dienen, auch wenn wir wissen dass dies eine wesentliche Ursache ihrer derzeit dominierenden Leistungsfähigkeit ist. Viele von ihnen haben bei ihren ersten Gehversuchen keine Schuhe, werden barfuß auf allen Untergründen groß und sind eines Tages sogar in der Lage erfolgreich Wettkämpfe barfuß zu bestreiten.

Sobald es unter unseren klimatischen Bedingungen möglich ist, sollten mehrmals in der Woche die Füße an die Luft, ohne Socken und natürlich ohne Schuhe, am besten zuerst auf Rasen. Und das bis zum Herbst, bis die Temperaturen die Füße wieder in Socken und Schuhe zwingen.

Der Fuß muss sich systematisch an die neuen Anforderungen anpassen, zunächst einige Minuten, dann vielleicht mit ein paar Runden mit bewussten Gehen mit immer stärkeren Abdruck, kleinen Sprüngen, dann immer öfter beim einlaufen oder beim cool-down nach der Belastung.

Später kommen einige kurze Steigerungsläufe, kleine Runden mit Geh- und Trabpausen, einige kurze Koordinationsübungen und später vielleicht auch größere Sprünge hinzu. Zu bedenken ist immer welche Kräfte auf die in der Regel zu schwache Fußmuskulatur und die Achillessehnen wirken. Alles sollte im Anschluss immer mit den bekannten Maßnahmen zur Regenration begleitet werden, Füße baden und massieren, Fußgymnastik oder auch die Fußmuskulatur mit einem Tennisball o.ä. rollen.

Ab Herbst müssen die Füße leider wieder in die Schuhe

Und danach, ab Herbst, ist die neue „Barfußlauf – Schuhgeneration“  zur Fortsetzung der bewussten Fußkraftausbildung bis der Frost kommt geeignet. Sie schützen den Fuß und geben ihm gleichermaßen das Gefühl und die Wirkung des Barfußlaufens. Auch wenn die gewonnene Stärke der Füße spürbar ist, zu Tempoläufen oder langen Ausdauereinheiten sollten auch Fortgeschrittene zum „Gewohnten“, zu Spikes oder den üblichen Qualitätslaufschuhen greifen.

Die veränderten Krafteinflüsse auf die Muskulatur, Sehnen, Bänder und Gelenke dürfen keineswegs unterschätzt werden. Das wäre genauso als wenn sie ihren unvorbereiteten Füßen plötzlich im Trainingslager am Meer im tiefen Sand Tempoläufe, Sprints oder intensive Sprünge zumuten würden. Vielleicht haben sie schon erfahren wie schwer es ist eine entzündete Achillessehne zu heilen!

Auch die anderen Trainingsformen bleiben wichtig

Nach dem Prinzip Extreme vermeiden sollten Läufer aber nicht zu dem Schluß kommen, das Barfußlaufen nun das non plus ultra des Leistungsfortschritts wären. Es ist eine von vielen Trainingseinwirkungen die einen wesentlichen Beitrag zur Leistungsentwicklung leisten können. Es gibt keinen Grund damit die langen Ausdauerläufe nicht mehr auf der Asphaltstrasse in dämpfenden Schuhen zu absolvieren. Langstreckler die viele ihrer 200 km pro Woche auf der Straße absolvieren sind nicht mehr verletzt als Läufer die viel auf der Bahn oder im Wald trainieren.

Lauf-Trainer müssen Spezialisten für die Ausbildung der Füße und der Lauftechnik sein

Besonders bei den Heranwachsenden, aber auch im Spitzenbereich kommt den Trainern eine hohe Verantwortung im Zusammenhang mit der Ausbildung und der ständigen Kräftigung der Füße und dem technisch richtigen, effektiven, auch die Laufökonomie beeinflussenden laufen zu.

Deshalb müssen Trainer als Spezialisten für richtiges laufen sowohl die Vermittlung einer dem Ausbildungsstand der Füße, Beine und dem Zentrum entsprechende optimale Technik vermitteln können, eine Laufganganalyse beherrschen – oder sich auch Hilfe beim Orthopäden holen – und über vielfältige Mittel und Methoden zur Fehler- bzw. Schwachstellenbeseitigung verfügen.

Die Vermittlung einer möglichst guten Lauftechnik, mit einem individuell optimalen Fußaufsatz und Abdruck ist im frühen Nachwuchstraining eine vorrangige Aufgabe.

Foto: Christopher Chairyguet / Nachwuchs in Kenia beim Lauftraining.

 

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