Wenn die Luft wegbleibt…

Das man nicht nach dem Ziel daniederliegt... . Foto: Dagmar Wienke

 

REGENERATION. Was nützt die beste Kondition, wenn die Atemwege streiken. Die Palette der Atemwegserkrankungen, akut wie chronisch, ist allerdings recht groß und erfordert nicht selten eine systematische Diagnostik. Therapeutisch stehen ebenfalls viele Wege offen, sodass der folgende Artikel lediglich eine Orientierung geben kann.

Bronchitis und Co.

Folgen wir der Internationalen Statistischen Klassifikation von Krankheiten (ICD), so wäre es ein Leichtes, die folgenden Seiten allein nur mit Krankheitsnamen zu füllen. Erkrankungen der Atmungsorgane sind komplex und vielfältig und die folgende Beschreibung gibt einen groben Überblick. Auf Buchstaben und Zahlen, die zu Abrechnungszwecken dienen, wird an dieser Stelle verzichtet. Die Einteilung beginnt mit:

Akuten Infektionen der oberen Atemwege

Hierunter fallen z.B. der Schnupfen (Rhinitis), sowie Nebenhöhlenentzündungen (Sinusitis), Angina, Mandelentzündungen (Tonsillitis) und auch Kehlkopf- und Rachenentzündungen.

Schließlich folgt:

Die Grippe (Influenza) und die Lungenentzündung (Pneumonie)

Unter: Sonstigeakute Infektionen der unteren Atemwege ist dann die Bronchitis aufgeführt.

Sonstige Erkrankungen der oberen Atemwege sind z.B. Nasenpolypen, allergischer Heuschnupfen, chronische Veränderungen an Kehlkopf oder Stimmlippen usw.

Es folgen Chronische Erkrankungen der unteren Atemwege

Hier wären hauptsächlich die chronische Bronchitis und das Asthma zu erwähnen. Hervorheben sollte man allerdings auch die Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (unter dem Kürzel COPD für chronic obstructive pulmonary disease bekannt), deren Ursachen längst nicht mehr nur bei den Rauchern liegen, sondern auch Infektionen, berufliche Belastungen oder gar die Ernährung verantwortlich gemacht werden.

Die weiteren Klassifizierungen ersparen wir uns an dieser Stelle und widmen uns den therapeutischen Möglichkeiten. Wenngleich ich an dieser Stelle betone, dass eine genaue Diagnostik wichtig und richtig ist. Nicht zuletzt im Hinblick auf Einschätzung des Verlaufes und der Prognose des akuten, wie auch eines chronischen Verlaufs. Selbst Verfahren wie die Homöopathie, die TCM oder Naturheilverfahren im Allgemeinen können nicht leichtfertig darauf verzichten.

Homöopathie bei Atemwegsbeschwerden

Ein Homöopath (oder auch ein Therapeut der chinesischen Medizin) stellt quasi zwei Diagnosen: Eine klinische mit all den Symptomen, die typisch für das Krankheitsbild sind und eine „homöopathische“ Diagnose. Darunter fallen Symptome, die für die Schulmedizin kaum von Bedeutung sind, aber gerade die sind es, die zu einem homöopathischen Medikament führen. Was ist gemeint?

Nehmen wir einmal an, jemand zeigt Symptome von Fieber, Husten, Brustschmerzen, blutigem Auswurf und ein nicht normales Puls-Atemverhältnis. Klinisch betrachtet würden wir zu dem Schluss einer Lungenentzündung kommen. Der Behandlungsplan scheint klar, z.B. die Medikation mit Penicillin. Für eine homöopathische Behandlung reicht das aber noch nicht aus. Was ist sonst zu beobachten? Die betroffene Person ist möglicherweise äußerst unruhig, Rastlos, zeigt eine rote Zungenspitze, nach Mitternacht wird der Zustand insgesamt schlimmer. Darüber hinaus werden die Körperschmerzen besser bei fortwährender Bewegung und es stellt sich heraus, dass alles nach einer Durchnässung (Regen, Schnee) begann. Nun erst kann der Homöopath ein Mittel bestimmen. In unserem Beispiel ist Rhus toxicodendron das beste in Frage kommende Mittel.

Dieses Beispiel soll Ihnen nochmals ganz deutlich machen, dass eine Medikamentenverordnung in der Homöopathie nach anderen Gesetzmäßigkeiten verläuft und nicht nur nach einem Krankheitsnamen. Ob die Homöopathie als alleinige therapeutische Möglichkeit in Frage kommt, muss der Behandler entscheiden. Dies hängt u. A. von der Art und dem Schweregrad einer Erkrankung ab, von der Erfahrung des Behandlers sowie auch von den Behandlungsmöglichkeiten vor Ort (ambulant, Klinik, Dorf, Stadt usw.).

Damit Sie sich ein Bild von den Möglichkeiten der homöopathischen Behandlung machen können, folgt nun die kurze Umschreibung einiger bewährter homöopathischer Arzneien und deren Indikationen bei Atemwegsbeschwerden. Verabreichung der Mittel, sowie Häufigkeit und Potenzstufe besprechen Sie besser mit dem Fachmann.

Aconitum napellus (Sturmhut, Blauer Eisenhut)

Bewährtes Mittel, wenn Schnupfen oder Husten sehr plötzlich beginnt. Auslöser ist oft kalter Wind (insbesondere Ost- und Nordwind) oder allgemein Kälte. Damit verbunden ist meist eine undefinierte Ängstlichkeit.

Nux vomica (Brechnuss)

Überlastete Geschäftsleute, gestresste Personen, die von Schnupfen und Husten heimgesucht werden, brauchen meistens dieses Mittel. Sie frieren und der Schnupfen ist aber besser im Freien. Die Betroffenen sind sehr reizbar.

Bryonia (Zaunrübe)

Trockener, krampfhafter Husten, der auch wehtut. Besonders morgens und beim Betreten eines warmen Raumes. Stechende Schmerzen. Besserung beim Liegen. Es besteht bei vielen Symptomen das verlangen nach trinken kalten Wassers.

Belladonna (Tollkirsche)

Wie schon bei Aconitum, plötzlich einsetzende Symptome. Bellender Husten. Schmerzhaftes Schlucken. Heiserkeit bis Stimmverlust. Alle Sinnesorgane sind überempfindlich. Auch plötzlich hohes Fieber ist möglich.

Gelsemium (Gelber Jasmin)

Bekannt als bewährtes Grippemittel. Sehr fröstlig. Schwindelgefühl. Selten hohes Fieber. Häufige Niesattacken. Auch bei Heuschnupfen bewährt. Nase verstopft. Schwache belegte Stimme. Oft sind schlechte Nachrichten, Aufregung oder Wettkampfängste die Auslöser. Sehr gut für Sportler geeignet.

Pulsatilla (Küchenschelle)

Bronchitis mit reichlich Auswurf, meistens morgens. Starkes Verlangen nach frischer Luft (reißen ständig das Fenster auf). Gemüt sehr wechselhaft, himmelhochjauchzend-zutiefstbetrübt. Nase abends verstopft. Grüner Nasenausfluß.

Causticum

Bei Heiserkeit, Husten und Stimmverlust. Gefühl von viel Schleim hinter dem Brustbein, was aber nur mühevoll abgehustet werden kann. Auffällig: Husten bessert sich beim Trinken kühler Getränke bzw. kaltem Wasser. Feuchte Wärme tut oft gut. Beim Husten nicht selten Urinabgang.

Arsenicum album (Arsen)

Ob Asthma oder Husten, viele Symptome haben hier eine Verschlechterungszeit um Mitternacht bis gegen 2Uhr. Auch die Zeiten spielen eine Rolle bei den homöopathischen Arzneien. Oft beginnen die Symptome auch beim Hinlegen. Kalte Getränke verschlimmern ebenfalls den Zustand. Es besteht zwar Durstgefühl, aber getrunken wird nur schluckweise, keine große Menge. Der Betroffene braucht viel Wärme, ist zudem sehr unruhig und undefiniert ängstlich. Zorn, Ärger oder schlechte Nachrichten können hier ebenfalls zu den Auslösern gehören.

Sonstige Tipps

Die Naturheilkunde mit ihrer langen Heiltradition hat ebenfalls einige Maßnahmen parat, die (vor Allem in der Anfangsphase von Atemwegsbeschwerden wie Husten oder Schnupfen) von Nutzen sein können. Neben verschiedenen Inhalationen sind auch Wickel oft sehr effektiv. Zwei Varianten sind erwähnenswert: Z. B. der warm angelegte Kartoffelwickel und der kühl angelegte Quarkwickel. Mir geht es weniger um die „Substanz“ (Kartoffel, Schmalz, Senf etc.) als um die Temperatur. Warm oder Kühl? Was ist besser? Nun, ausprobieren ist die Devise, denn jeder Zustand (akut oder chronisch) erfordert mal das Eine und mal das Andere. Es gibt keine feste Regel.

Noch ein kurzes Wort zu Nasentropfen: Diese helfen zwar kurzfristig, aber zu lange verabreicht, schädigen sie die Schleimhäute irreversibel und können schlimmstenfalls sogar zur Abhängigkeit führen.

Ernährung: Meiden Sie Milch und Bananen, das verschleimt nur die Atemwege. Da Atemwegsbeschwerden häufig mit Stoffwechselproblemen einhergehen, ist auf alles was die Verdauung belasten könnte, zu verzichten (Gebratenes, Frittiertes, schwere Kost etc.)

Doping

Atemwegsbeschwerden sind unter Sportlern, Leistungssportlern wie Amateuren, sehr verbreitet. Die Liste der Medikamente, die bei den Profis (Amateure bei Wettkämpfen) gemeldet werden müssen ist lang und dennoch sind Substanzen im Umlauf, die zu (rechtlichen) Schwierigkeiten führen können. Ephedrin und ephedrinhaltige Präparate, die bei uns rezeptpflichtig sind, können dennoch im Umlauf sein. Das Internet machts möglich. Also Augen auf, denn Ephedrin gehört zu den verbotenen Substanzen. (Udo Meller)

Kommen Sie gut durch den Herbst und Winter und bei Fragen melden Sie sich bitte unter: info@praxis-meller.de

 

 

 

 

 

 

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