Mit oder ohne Stöpsel?

IM WORT. Ich bin ein großer Fan der elektronischen Produkte im Zeichen des Apfels. Und mit der gleichen Überzeugung spreche ich mich seit langem gegen die Mitnahme dieser Geräte beim Laufen aus. Die Zeit, in der ich mich draußen in der Natur bewege, ist kurz und kostbar. Ich will mich nicht von Musik berieseln lassen. Ich will die Natur spüren, das Zwitschern der Vögel hören und die Geräusche des Waldes wahrnehmen. Unser Kopf muss Tag für Tag so viele Informationen aufnehmen und verarbeiten, so dass ich beim Laufen meinem Geist eine Auszeit gönne und auch den Gedanken freien Lauf lasse. Hinzu kommt der Sicherheitsaspekt. Das Laufen als Frau alleine ist nicht immer ungefährlich und so kann es sicherlich nicht schaden, wenn ich höre, was hinter mir passiert.

 

Nichts desto Trotz habe ich heute gegen meine Überzeugung gehandelt.

Vor 3 Wochen bin ich einen Halbmarathon gelaufen und habe mir direkt danach eine heftige Grippe eingefangen. Nun war es endlich mal wieder Zeit, sich zu bewegen, aber die Motivation für einen Lauf war quasi auf dem Nullpunkt. Der Zeiger meiner Waage zeigte heute Morgen bereits schwindelnde Höhen, so dass ich mich zwischen der fehlenden Motivation und dem drohenden Höchstgewicht hin und her aalte. Das Wetter trüb und windig, eigentlich wollte ich überhaupt nicht vor die Tür gehen. „Morgen wird es auch nicht besser“, denke ich. „Vielleicht nehme ich heute ausnahmsweise mein neues Musikabspielgerät mit“, fällt mir ein. Gedacht, getan. Ich zog die Laufsachen an, verkabelte meine Ohrstöpsel ordnungsgemäß und klippte mir das Gerät ans Handgelenk. Auf den ersten Metern hörte ich die Musik noch leise, aber kaum war ich abseits von Straßen und Überwegen, drehte ich auf. Nach einer guten halben Stunde fühlte ich mich fast so leichtfüßig wie Paula Radcliffe kurz vor der Ziellinie.

Ich muss zugeben, es hat mir Spaß gemacht. Meine Lieblingsmusik hat mich mühelos über 12 km getragen und ich habe den Lauf wirklich sehr genossen.

Trotzdem sollte die Vorsicht bleiben. Man hört keine herannahenden Autos oder Fahrradfahrer, keine bellenden Hunde oder sonstige Gefahren und sicherlich ist es auch gesünder, dem Alltagslärm gelegentlich, wenn auch nur für kurze Zeit, zu entfliehen. Trotzdem ist meine Ablehnung etwas aufgeweicht.

Es soll nicht zur Gewohnheit werden, aber vielleicht wird mich meine Lieblingsmusik zukünftig nun doch auf dem einen oder anderen Meter begleiten – dann, wenn ich mal wieder im Motivationstief sitze oder die Beine besonders schwer sind.

(von Katharina D. Pieroth)

 

Foto: thinkstock / ridofranz

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