Jannik Arborgast im LZ&CO-Interview

SZENE. Jannik Aborgast war bei den Deutschen Straßenlaufmeisterschaften in Bremen über 10 km eine der großen Überraschungen. Kaum einer hatte den talentierten Läufer aus dem Badischen auf der Rechnung, wenn es darum ging, sich auf einen Favoriten für die Titelkämpfe an der Weser festzulegen. Dabei ist Jannik Arborgast keinesfalls ein unbeschriebenes Blatt in der nationalen Laufszene. Seit Jahren gehört der Lehramtsstudent der LG Region Karlsruhe zu den Könnern auf den Mittel- und Langstrecken. Mit aktuellen Bestzeiten von 13:52,05 min und 29:23,16 min kann der 26-Jährige Arborgast überzeugen. Für LAUFZEIT&CONDITION Grund genug einmal mit Jannik Arborgast ein Gespräch zu führen.

Von Jörg Valentin

Jannik, du warst vor Deinem Erfolg bei der DM über 10 km in Bremen nur wenigen bekannt. Wie würdest du dich selbst als Läufer skizzieren?

Meine bisherigen größten Erfolge stammen aus dem Jahr 2015 mit zwei Vizemeistertiteln über die Cross Mittelstrecke und DM 10.000 m. Bei den Deutschen Meisterschaften 5.000 m wurde ich Vierter. Das liegt schon einige Zeit zurück und die Sportwelt dreht sich sehr schnell. Eine geringe Bekanntheit außerhalb der Läuferszene ist auch deshalb zu erklären, da ich in der Jugend keine großen Erfolge oder internationale Einsätze aufweisen kann. Ich habe mich erst über die Jahre, angefangen als 11-jähriger, in der U23 zu einem Athleten der erweiterten deutschen Laufszene entwickelt. „Nur“ ein Jahr im Nationalkader schränkt die Bekanntheit lediglich auf die Läuferszene ein. So bin ich vor allem in der Region Karlsruhe und Pforzheim bekannt, in der ich seit meinem Beginn als Langstreckenläufer auf verschiedenen Wettkämpfen laufe.

In Bremen ist dir eine lauftaktische Meisterleistung gelungen. Zumeist in der Beobachterrolle hast du dann die Akzente gesetzt als andere schwächelten. Wann warst du dir sicher, dass du den DM-Titel holen könntest?

30 m vor dem Ziel.

Man muss im Vorfeld wissen, dass ich mich nur für ein Team der LG Region Karlsruhe bereit erklärt habe, überhaupt bei den Deutschen Meisterschaften zu laufen. Ich war nach den Deutschen 5.000 m Meisterschaften im Urlaub und auf einer 1-wöchigen universitären Veranstaltung (Exkursion). Danach war die Zeit für eine optimale Vorbereitung verstrichen und ich versuchte einfach das Bestmöglich aus diesen Umständen zu machen.
Während der Rennen wusste ich überhaupt nicht, was ich laufen kann. Meine Form habe ich zwischen 30:30 und 30:00 gesehen. Deshalb habe ich mich am Anfang einfach reingehängt und geschaut was passiert. Da mein Team nicht wie geplant zustande kam, konnte ich etwas mehr Risiko laufen. Die ersten 5 km in 15:08 min waren locker, aber aufgrund der großen Gruppe sehr unruhig. Danach war es eigentlich ein Steigerungslauf, welcher das Feld verkleinerte. Bei Km 7 rief mein Trainer, Günther Scheefer, wir seien sechs Läufer. „Cool, dann werde ich Sechster J“. Bei Km 8,5 waren wir dann nur noch vier. „Cool, dann werde ich Vierter“. Ich wartete die ganze restliche Zeit auf den entscheidenden Vorstoß von Florian Orth, der erst auf den letzten 200 Metern hinab zum Ziel stattfand. Direkt gekontert wurde dieser von Samuel Fitwi Sibhatu, dem ich folgte. Als ich noch Körner übrig hatte, war mir klar: in die letzte Kurve muss ich als Erster gehen, um diesen einen Schritt wenigsten im Vorteil zu sein. Danach sprintete ich bis 30 m vor dem Ziel und war total perplex, dass keiner mehr da war. Deutscher Meister nach 15 Jahren Training, komplett unerwartet und definitiv das Highlight meiner bisherigen Läuferkarriere.

Erfolge machen süchtig und geben Selbstbewusstsein. Wo zieht es dich zukünftig mehr hin? Auf die Straße und zum Cross, oder bleibst du auch dem Bahnlauf treu?

Ich habe gelernt, nicht immer nach mehr streben zu wollen. Mein Körper kann die harten Belastungen nicht mehr so gut stemmen und ich muss viel über Schwimmen / Athletik zuarbeiten. Deshalb werde ich den körperlich sehr belastenden Cross nicht präferieren. Auf die Bahnläufe habe ich noch wahnsinnig viel Lust und bleibe diesen deshalb treu. Das schließt aber nicht aus, den einen oder anderen Straßenlauf zu absolvieren. Ob es einen Halbmarathon, oder sogar Marathon gibt wird sich dann ergeben. Bisher ist der Plan dahin nicht ausgerichtet.

Die Leichtathletik-EM im eigenen Land war ein großer Erfolg und von medialem Interesse. Glaubst du an deine Chance irgendwann einmal bei einem internationalem Topevent für Deutschland an den Start gehen zu können?

Ganz realistisch sage ich dazu Nein. Ich durfte zweimal bei den Europäischen Crossmeisterschaften teilnehmen, was für mich der höchstmögliche internationale Einsatz ist / war. Aus diesem Grund hatte ich den Einsatz in Nationaltrikot schon und kann ganz entspannt in die Zukunft blicken. Für eine EM der Aktiven sind die Zubringerwerte auf der Unterdistanz zu langsam. Aber wer weiß, was der Körper bei einem vernünftigen und vor allem verletzungsfreien Training im Stande ist, zu leisten. Vielleicht legt der DLV auch mal wieder Wert auf eine Cross-Männermannschaft.

Unsere Leser interessiert natürlich auch. Was macht ein Jannik Arborgast, wenn er einmal nicht seine Laufschuhe schnürt?

Ich studiere die Fächer Sport und Geographie auf Gymnasiallehramt. Nebenbei bin ich ein Trainer für ein paar Athleten und Triathleten. Da ich zur Zeit des öfters im Schwimmbad bin, gebe ich dort Schwimmunterricht und absolviere nebenher meine regenerative Einheit.
Privat genieße ich entspannte Abende mit Freunden, im Optimalfall mit einem vorherigen Training und einer anschließen Kochsession. Der tägliche Espresso aus der Siebträgermaschine darf da nicht fehlen ;).
Ansonsten arbeite ich 1 x die Woche auf einem Pferdehof als Stallbursche. Da genieße ich vor allem die harte körperliche Arbeit – klingt verrückt aber mit einem Vorschlaghammer etwas einreißen, mit dem Bagger fahren, etwas bauen oder einfach mit der Motorsense mähen in der freien Natur ist ein guter Ausgleich für mich.

Vielen Dank für das Interview. Wir von LZ&CONDI wünschen dir für die Zukunft noch viele sportliche Erfolge und Medaillen.

Jannik Arborgast:

Bestzeiten und Erfolge:

5.000 m // 13:52,05 min
10.000 m // 29:23,16 min
10 km Straße // 29:24 min

Deutscher Meister 10 km Straße
Deutscher Hochschulmeister
Deutscher Firmenlaufmeister
Teilnehmer Studenten Cross-Weltmeisterschaften
Teilnehmer Cross Europameisterschaften

Foto: Jörg Valentin / Jannik Arborgast vorne links mit Brille kurz nach dem Start bei der DM 10 km in Bremen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*