Warum Honig und keinen Fabrikzucker?

GESUNDHEIT. Training allein reicht nicht aus – gesundes Essen und Fitness gehören untrennbar zusammen. Egal, ob ihr schneller werden oder durch Sport „nur“ abnehmen wollt, die richtige Ernährung spielt immer eine Schlüsselrolle. Tamara Patrcevic (ärztlich geprüfte Gesundheitsberaterin GGB) gibt euch Tipps, wie ihr euch besser ernährt, warum es wichtig ist, auch mal „gegen den Strom zu schwimmen“, warum bei den verlockenden Werbebotschaften der Lebensmittelindustrie oft Vorsicht geboten ist und was dran ist, an den Ernährungsmythen des Alltags.

 

Heute: Warum Honig und keinen Fabrikzucker?

„Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein.“ Davon war schon Hippokrates (460 bis etwa 377 v. Chr.), griechischer Arzt und „Vater der Heilkunde“, überzeugt. Und diese Aussage ist heutzutage genauso wichtig wie damals. Dabei hat sich das Angebot an Nahrungsmitteln stetig verändert und das Sortiment explosionsartig gefühlt vertausendfacht. Zwischen Bauer und Konsument hat sich die Industrie geschaltet und trägt mit ihren Werbebotschaften dazu bei, dass es schwer ist, sich im Ernährungsdschungel zurechtzufinden.

Auf der Internetseite der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker e. V. fand ich folgende Aussage: „Die Zuckererzeugung 2017/18 betrug insgesamt 5,197 Millionen Tonnen – ein Anstieg von 45,7 % gegenüber dem Vorjahr.“ Deswegen möchte ich hier ein wenig auf den Fabrikzucker eingehen. Der Fabrikzucker ist, wie der Name schon sagt, ein industriell hergestelltes Nahrungsmittel, welches durch einen vielstufigen Herstellungsprozess erzeugt wird. Der Rohstoff (z. B. Zuckerrübe) wird gewaschen, zerstückelt, ausgelaugt, sodass man den Saft erhält. Die Masse wird mit Kalk gereinigt, wodurch schon fast alle Vitamine vernichtet werden. Nun wird Kohlensäure hinzugegeben und dann gepresst, sodass Schlamm vom Zuckersaft getrennt wird. Es folgt der Bleichprozess, das Eindampfen (aus Dünnsaft wird Dicksaft), das Kochen im Vakuum, wodurch es zur Kristallisation kommt und dann das Ausschleudern, wodurch Sirup oder Rohrzucker entsteht. Es wird weitere Male gekocht, abgekühlt, zentrifugiert, kristallisiert und dann filtriert auf Knochenkohle. Der Herstellungsprozess von Honig sieht vergleichsweise überschaubar aus: Von Bienchen und Blümchen muss ich nichts erzählen. Der Imker erntet den Honig, die Waben werden vom Wachsdeckel befreit, bevor sie in die Honigschleuder kommen, sodass der Honig aus den Zellen geschleudert wird und nach mehrmaligem Sieben in Gläser abgefüllt werden kann – fertig. Während der Fabrikzucker nur leere Kalorien liefert und so gut wie keinen Vitamingehalt vorweisen kann, enthält das Naturprodukt Honig Enzyme, Vitamine, Mineralstoffe/Spurenelemente, organische Säuren, Aminosäuren, Hormone, Inhibine und Aromastoffe.

Ein europäische Durchschnittsbürger bringt es auf rund 40 kg reinen Zucker pro Jahr. Dieser Konsum führt nicht nur zur Gewichtszunahme, sondern fördert auch andere gesundheitliche Probleme. Das reicht von Karies bis hin zu Osteoporose, Diabetes oder Herzerkrankungen. Auch Autoimmunerkrankungen, wie Arthritis, Asthma und Multiple Sklerose zählen zu möglichen Spätfolgen eines erhöhten Zuckerverzehrs. Zusätzlich beeinträchtigt Zucker die Leistungsfähigkeit unseres Immunsystems und schafft Vitamin- und Mineralstoffmangel. Ein Erkrankungsverlauf verläuft natürlich schleichend und unauffällig, sodass kaum jemand auf die Idee kommt, im Zucker den Schuldigen für seinen schlechten Gesundheitszustand zu suchen. Das Einzige, was Zucker zu bieten hat, sind Kohlenhydrate in Hülle und Fülle. Weil Zucker aber ein gehöriges Suchtpotenzial enthält, günstig herzustellen ist und lecker schmeckt, ist er, getarnt durch fantasievolle Bezeichnungen, überall! In Tütensuppen, Fertigschnitzeln, Erfrischungsgetränken, in Krautsalat oder Frühstücksflocken – überall verstecken sich die süßen Bomben. Schließlich eignet sich Zucker auch in deftigen Speisen perfekt als billiger Geschmacksverstärker, der gleichzeitig überschüssiges Wasser bindet.

Zu den bekanntesten Fabrikzuckerarten gehören weißer Zucker, brauner Zucker, Fruchtzucker, Traubenzucker, Milchzucker, Malzzucker, Ahornsirup, Apfeldicksaft, Birnendicksaft oder der sogenannte Vollrohrzucker. Interessant zu wissen ist auch, dass der Begriff Rohrzucker ein rein chemischer Begriff ist und nicht bedeutet, dass er aus dem Zuckerrohr hergestellt ist. Genauso wie der Traubenzucker, der nicht aus der Traube hergestellt ist, sondern auch der Name für eine bestimmte Zuckerart ist. So auch der Milchzucker, welcher zwar auch in der Milch vorkommt, aber eine chemische Bezeichnung ist und nicht zwingend aus der Milch hergestellt sein muss.

In unserer Laufgruppe haben sich schon viele Lauffreundinnen entschieden, sich fabrikzuckerfrei zu ernähren. Und wenn es nur einmal über eine Dauer von einer Woche ist. Ich selbst süße überwiegend mit Obst oder Honig, muss aber zugeben, dass der eine oder andere Lieblingskuchen nicht aus dem Rezeptbestand weichen konnte und mir auch weiterhin nur mit Fabrikzucker schmeckt. Mittlerweile sind mir diese Kuchen oder Torten aber viel zu süß. Daher verwende ich nur noch die Hälfte oder sogar nur noch ein Drittel der Zuckermenge des Originalrezepts. Im Alltag bin ich achtsamer geworden und war verwundert, wie schnell sich mein Geschmack umgestellt hat. Probiere es doch auch mal aus, denn in einer gesunden, vitalstoffreichen Vollwertkost ist kein Platz für Fabrikzucker.

Mehr von Tamara Patrcevic und leckere Rezepte zum Nachkochen findet ihr in jeder Ausgabe von LAUFZEIT&CONDITION oder auf https://de-de.facebook.com/LZundCO/

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