WMA-Präsidentin Margit Jungmann: „Wahlergebnis hat mich überwältigt“

SZENE. Margit Jungmann (Rehlingen) ist seit kurzem Präsidentin der World Masters Athletics (WMA), dem Weltverband der Senioren-Leichtathletik (LZ&CO berichtete). Die Generalversammlung aus mehr als 100 vertretenen Ländern wählte die 62-Jährige während der Welttitelkämpfe im spanischen Málaga mit einer beeindruckenden Mehrheit von 110 Stimmen von 141 gültigen zur Nachfolgerin des Australiers Stan Perkins. Perkins übergab nach der WM in Málaga symbolisch den Staffelstab an die Saarländerin.

Von Bettina Schardt (Text) und Lutwin Jungmann (Foto)

Margit Jungmann, zunächst nochmal herzlichen Glückwunsch zur Wahl zur WMA-Präsidentin! Haben Sie mit solch einem deutlichen Ergebnis gerechnet?

Margit Jungmann:
Nein. Ich hatte nach den Rückmeldungen das Gefühl, dass ich es im ersten Wahlgang schaffen kann, also einen hohen Fünfziger Prozentsatz schaffe. Mit den 78 Prozent, die es dann geworden sind, hätte ich nie gerechnet. Das hat mich überwältigt. Die Unterstützung kam von allen Kontinenten.

Als erste Frau an der Spitze der WMA zu stehen ist sicherlich etwas Besonderes?

Margit Jungmann:
Ich bin sehr stolz, dass ich das sein darf. Die Frauen in der Generalversammlung und den Gremien empfinden das auch so. Diese Frauen sind auf mich zu gekommen, um das zu feiern. Und – der Repräsentant aus Asien hat mich in der Regionssitzung von Asien in seiner Ansprache damit begrüßt, dass ich Geschichte schreibe und die WMA stolz darauf sein kann, eine Frau an der Spitze zu haben.

Als Präsidentin eines Weltverbandes gilt es nicht nur, den Verband sportlich zu führen, sondern auch zahlreiche Kulturen und Menschen zusammen zu bringen. Wie gehen Sie diese Aufgabe an?

Margit Jungmann:
Ich bin ja nicht ganz neu in dieser Aufgabe – als WMA-Vize-Präsidentin habe ich in den letzten fünf Jahren schon die Unterschiede kennen gelernt. Es gibt unterschiedliche Problemstellungen in den einzelnen Regionen. Diese anzugehen, geht nur mit den Councils der sechs Kontinente gemeinsam.

Ich werde nach und nach die Regionen besuchen und schauen, wo Unterstützungsbedarf ist. Wir müssen die Dinge miteinander angehen. Auch im Council der WMA sind Menschen aus vielen verschiedenen Regionen tätig. Dort haben wir unter meinem Vorgänger Stan Perkins einen sehr guten Weg gefunden, im Team zu arbeiten und uns gegenseitig zu unterstützen.

Ich möchte jetzt keinen Aktionismus verbreiten oder Schnellschüsse abgeben. Ich werde mich in Ruhe in die Rolle einfinden und mich mit meinen Kollegen ein wenig sortieren.

Sie waren seit 2013 als Vize-Präsidentin der WMA für die Organisation der Weltmeisterschaften mitverantwortlich. Welche Veränderungen konnten Sie dort schon bewirken?

Margit Jungmann:
Es geht Stück für Stück voran. Wir haben Standards formuliert, an denen sich die Organisatoren von Weltmeisterschaften schon mehr oder weniger orientiert haben. Wir haben Guidelines entwickelt, die nach den Erfahrungen in Málaga noch ergänzt werden. Wir versuchen eine immer bessere Qualität der Meisterschaften sicher zu stellen.

Welche Ziele verfolgen Sie als Präsidentin der WMA?

Margit Jungmann:
Die Seniorenleichtathletik soll noch globaler werden. Ich möchte die Straffung und Professionalisierung der Organisation weiter vorantreiben. Weitere Ziele sind die Dopingbekämpfung, die Ausdehnung der Seniorenleichtathletik auf Länder, die bislang außen vor bleiben und auch eine bessere Kommunikations- und Marketing-Strategie sowie ein
Fortbildungsangebot für Senioren-Sportler und -Trainer bei Weltmeisterschaften.

Was stellen Sie sich unter Fortbildungsangeboten genau vor?

Margit Jungmann:
Wir haben hier in Málaga die Reihe der wissenschaftlichen/sportärztlichen Untersuchungen der Masters-Athleten gemeinsam mit dem DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) unter Leitung von Prof. Dr. Jörn Rittweger fortgesetzt. Dies soll nun gemeinsam in eine Struktur gebracht werden und die Erkenntnisse vorangehender Untersuchungen sollen eingebunden werden.

Auf der Basis großflächigerer und langfristiger Untersuchungen sollen belastbare Erkenntnisse gewonnen werden, die wir an Trainer und Athleten im Rahmen der Fortbildungen zurück spiegeln können. Außerdem könnten wir uns vorstellen die Ergebnisse mit Gesundheitsinformationen zu verbinden. Daraus können sich auch Änderungen im Wettkampfprogramm z.B. bei Streckenlängen ergeben oder eine Änderung der Trainingsmethoden. Ich erhoffe mir, eine Kommission aus Fachleuten zusammen zu stellen.

Wie ist derzeit das Verhältnis zur IAAF?

Margit Jungmann:
Was die Zusammenarbeit mit der IAAF betrifft, ist es eine meiner Herausforderungen. Wir müssen daran arbeiten, dass die Unterstützung der WMA durch die IAAF wieder intensiviert wird. Es gibt eine Masters-Kommission. Sie muss erhalten bleiben! Ich hoffe, dass ich demnächst gemeinsam mit Pierre Weiss (Frankreich), dem Leiter der Kommission, ein Treffen mit dem Präsidenten der IAAF, Sebastian Coe haben werde.

Was ist für Sie das Motivierendste in der Masters-Wettkampf-Leichtathletik? Was bietet die größte Freude?

Margit Jungmann:
Dieses Auseinandersetzen mit den unterschiedlichen Kulturen. Die Freundschaften, die über den ganzen Globus entstehen, diese Begeisterung bei den Meisterschaften, das macht einen Riesen-Spaß. Es ist spannend, die unterschiedlichen Mentalitäten kennenzulernen und daraus die eigene Sicht auf die Welt zu verändern und das Verständnis erhöhen zu können.

Titelfoto: Der neue WMA-Vorstand mit der neuen Präsidentin Margit Jungmann (unten Mitte)

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