„Kampf der Generationen“ bei 10-km-DM

Szene. Die Hansestadt Bremen war in diesem Jahr Austragungsort der Deutschen Straßenlaufmeisterschaften über 10 km. Mit dem Start- Ziel-Bereich im Schatten des Weserstadions und einer Pendelstrecke über Staderstraße den Osterdeich entlang. Eine Strecke, die den Gefallen der rund 500 gemeldeten Teilnehmer fand. Einzig die mitunter scharfen Wenden gaben Anlass zur Kritik. Nichts zu nörgeln gab es an der Witterung an der Weser. Anstatt windigen norddeutschen Schmuddelwetter gab es herrliches Spätsommerwetter mit angenehmen Temperaturen um die 20 ° C. Läuferherz, was will man mehr. Angesichts solcher hervorragender Rahmenbedingungen wollten sich auch die Athleten mit guten Zeiten und vielen persönlichen Bestleistungen belohnen.

Text und Fotos: Jörg Valentin

„Kampf der Generationen“

Die Integration der jüngeren Seniorenklassen bis zur M45 in das Feld der Männer und U23-Athleten war eine ebenso sinnvolle Bereicherung wie den Wettkampf der Frauen/U23 mit allen Seniorinnen und älteren Männerklassen durchzuführen. Das macht Sinn und fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Jung und Alt. Das betonte auch DLV-Vizepräsident Dr. Matthias Reick, der zusammen mit Herwig Renkwitz (Bremer Leichtathletikverband) die Verantwortung für den zügigen und reibungslosen Ablauf hatte.

Mit dem Deutschen Marathonmeister von 2000, Dr. Matthias Körner (TV Grenzach) hat ein Großer der nationalen Laufszene von früher zum Wettkampfsport zurückgefunden. Der frühere Leipziger mit einer Bestzeit von 2:17:39 über die 42,192 km h hat in seiner neuen Heimat Grenzach an der Deutsch-Schweizer-Grenze einen Laufboom entfacht und auch selbst wieder Feuer gefangen. „Die Lust ist wieder da und warum soll ich dann nicht starten“, macht der bald 50-Jährige aus seinem Herzen keine Mördergrube. In Bremen reichte es für Dr. Matthias Körner zu Platz zwei in 34:14 min hinter dem überlegenen Meister Miguel Molero-Eichwein (Spiridon Schleswig/32:39 min).

2.M 50 Dr. Matthias Körner Grenzach

Etwas mit dem Schicksal haderte die Meisterin in der W45, Sandra Morchner (PSV GW Kassel / 35:34 min). Die Sylterin aus Westerland kam nach einer Rangelei an einem der Wendepunkte böse zu Fall. Stark blutend rappelte sie sich wieder auf und lief trotz Schmerzen das Rennen zu Ende. Ihr Ziel eine Zeit von unter 35-Minuten zu schaffen, konnte sie angesichts der Blessuren nicht umsetzen. „Sehr ärgerlich und schade für die Athletin, wenn einem solch ein Sturz aus dem Konzept bringt“, konnte sich Morchners Trainer Winfried Aufenanger angesichts des Pechs kaum beruhigen. Angesichts von knapp zwei Minuten Vorsprung auf die Zweitplatzierte Martina Boe-Lange (SV Rosche/37:23 min) war der Titelgewinn der Insulanerin allerdings völlig ungefährdet.

Die Enttäuschung hielt sich in Grenzen. Trotzdem hatte sich Winfried Schmidt (TuS rrh. Köln) doch etwas mehr von der Reise nach Bremen erhofft. Sein Titelgewinn in der M 70 mit einer Zeit von 40:16 min war erwartet worden. Gleichzeitig hatte der Kölner eine Rekordjagd auf den bestehenden Straßenlauf-Altersrekord von Peter Lessing (39:00 min) angekündigt. „Der Weg ist das Ziel“, so das Schmidtsche Motto. Leider passte in Bremen Form und Wunsch nicht überein und der Rekordversuch musste abgeblasen werden. Schon vor wenigen Wochen hatte Winfried Schmidt beim Wörthersee-Halbmarathon einen Versuch unternommen den Rekord von Walter Koch zu pulverisieren. Auch da war der Versuch nicht von Erfolg gekrönt. „Die Strecke war anspruchsvoller als gedacht, das habe ich unterschätzt“, bilanzierte Winfried Schmidt. Das Leben geht weiter – und damit auch die Schmidtsche Rekordjagd. Jetzt soll es beim Kölner Halbmarathon Anfang Oktober vor der eigenen Haustür klappen. Zweifel hat Winfried Schmidt da keine.

Winfried Schmidt (1.M70)

30:53 min in der M40! Was für eine überragende Leistung. Der Emder Valentin Harwardt (VfL Wolfsburg) scheint mit zunehmendem Alter immer besser zu werden. Der gebürtige Kasache holte sich in Bremen seinen mittlerweile dritten Deutschen Meistertitel 2018. Nach dem DM-Triumpfen von Hannover (Halbmarathon) und Düsseldorf (Marathon) nun also auch über 10 km. Harwardt galt schon im Alter von 20 Jahren als großes Lauftalent für den Straßenlauf. Aber finanzielle Förderung blieb in jenen Jahren aus. So entschied sich der Niedersachse für einen anderen Weg mit einer soliden beruflichen Grundlage. Nun im fortgeschrittenen Alter hat er wieder mehr Zeit für seinen Laufsport und das Training. Der Erfolg gibt ihm Recht. Nun soll in Berlin beim Marathon der ganze große Wurf gelingen und die magische Grenze von 2:20 h im Marathon endlich fallen. Dem sympathischen Wahl-Wolfsburger wäre es zu wünschen.

Der nächste Meisterschaftort für die Straßenlaufmeisterschaften über 10 km steht schon fest: 2019 ist der LV Nordrhein mit Siegburg nach 2003 wieder Ausrichter der Titelkämpfe. Als unglücklich muss die terminliche Überschneidung 2018 mit den Deutschen Berglaufmeisterschaften im Harz am gleichen Wochenende bewertet werden. Da gilt es beim DLV für die Zukunft die Blicke im Sinne der Läuferinnen und Läufer etwas mehr zu schärfen. Außerdem gilt es die Preisgestaltung zu überdenken. 29 € pro Meldung waren vielen Vereinsvertretern einfach des guten zu viel.

Lieferten sich ein packendes Duell um die Plätze in der M50, der Bremer Frank Themsen und der Hamburger Klaus Prieske

Ergebnisse: http://www.woro-la.de/live/dm18.htm

Foto-Titel: Kampf um Medaillen und Meriten zwischen Onno Ringering (Aurich 3. M50 und Christian Stoll 1.M55)

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