Monschau Marathon – ein Landschaftslauf der Extraklasse

SZENE. Eine Form von Marathonläufen wird immer beliebter, nämlich solche, die sich – abseits großer Städte – über mehrere Tage erstrecken und einen bunten Mixed aus Sport, Party, Kulinarischem und Entspannung bieten. Das ist beispielsweise beim Schwarzwaldmarathon in Bräunlingen der Fall, beim Rurmarathon im Eifelstädtchen Simmerath-Einruhr, beim Hasetalmarathon in Löningen oder beim Hunsrückmarathon in Simmern. Die Mutter all dieser Events mag der Rennsteiglauf sein, eine kaum geringere Tradition weist der Monschau Marathon in der Eifel, nahe der belgischen Grenze, auf, der seit sieben Jahren auch einen Ultramarathon über 56 km anbietet. Diese Veranstaltung ging 2018 bereits in ihr 42. Jahr, wobei der Zuspruch von Läufern und Besuchern ungebrochen ist. Das kommt nicht von ungefähr.

Text: Michael Schardt, Fotos: Thomas Linnemann

Die Organisation des vom TV Konzen durchgeführten Rennens ist hervorragend, die Stimmung gelassen und heiter, das Preis-Leistungs-Verhältnis kaum zu überbieten, die Strecke wunderschön, die Helfer freundlich und engagiert und das dreitägige Programm vielseitig und abwechslungsreich. Der Veranstalter ist ganz nah bei der Läuferschaft, und die Läuferschaft, die sich aufmerksam betreut sieht, fühlt sich zum Lauf hingezogen. Kein Wunder also, dass der Monschau Marathon zu den beliebtesten der ganzen Republik gehört. Im europaweiten Ranking liegt der Monschau Marathon laut einer Umfrage unter Läufern auf dem 16. Platz, in NRW hinter zwei Citymarathons auf Platz drei.

Drei Tage volles Programm

Monschau Marathon – da ist für jeden etwas dabei, sportlich, kulinarisch oder kulturell. Aktiv kann man Laufen, Walken oder Mountainbiken. Für Gaumenfreuden sorgt die Nudelparty, das legendäre Kuchenbuffet, die Grillstände oder die Cocktail während der Auftaktparty, Kulturfreunde kommen vor allem beim Rockkonzert auf ihre Kosten.

Außergewöhnliches Panorama erwartet die Teilnehmer des Monschau Marathons.

Schon am Freitagabend lädt die Laufabteilung des veranstaltenden Vereins zu einem kleinen Probeläufchen ein. Um 18:30 Uhr kommen rund zwanzig zeitig angereiste Läufer auf dem Sportplatz des 2.000-Seelen-Dorfes Konzen zusammen, überwiegend Leute, die am Sonntag eine der beiden Langstrecken in Angriff nehmen wollen und die angebotene Übernachtungsmöglichkeit auf der benachbarten Campingwiese in Anspruch genommen haben. Das ist insgesamt ein netter Einstieg in das Wochenende.

Anschließend, ab 20 Uhr, ist ein kleiner Spaziergang zur Dorfmitte angesagt, denn dort, auf dem Schulhof der Grundschule, wird die Prerace-Party gestartet. Zwanzig Euro Eintrittsgeld sind ein gut investiertes Salär, wenn man auf Hardrock- oder Heavymetal-Klänge, auf kreischende Gitarren, harte Drums und schrill-rauchigen Gesang steht. Nach der Regionalband Jailbreak trat die Wacken erfahrene US-Rockband John Diva & The Rockets of Love mit Coverstücken berühmter Rockhits auf.

Mehr als Laufen

Walken konnte man beim Monschau Marathon schon lange, neu aber war dieses Jahr, dass der Samstag zu so etwas wie einem Walkingfestival erhoben wurde, das an diesem Tag aber nicht allein das Programm ausfüllte.

Ab 13:30 Uhr startete der Walkingday mit von Instruktoren begleiteten Walking- und Nordic-Walking-Kursen, die jedoch bei ihrer Premiere noch nicht so gut angenommen wurden. Es war ein offenes Angebot. Richtig voll wurde es unter dem Startbogen aber eine Stunde später, als sich über hundert Mountainbiker auf die originale Marathonstrecke begaben. Einige Läufer hatten sich, um die Strecke kennenzulernen, eigens ihr Bike mitgebracht. Zunächst, auf den ersten fünf Kilometern, durften die Radler noch kein Gas geben. Bis Monschau sei die Verkehrssituation zu beachten, soll Vorsicht walten, erst dann konnten die gut trainierten Biker Tempo machen. Nach etwa zwei Stunden kamen die ersten Akteure zum Ausgangspunkt zurück.

Kurz nach den Radlern wurden die Powerwalker auf einen landschaftlich schönen und anspruchsvollen Rundkurs von 12,7 km geschickt. Dieser war in etwa identisch mit jener Runde, die die Ultras am Folgetag vorab zu absolvieren hatten, bevor sie auf die eigentliche Marathonrunde gehen würden. Die Strecke des Eifel-Panorama-Walks führte ins Hohe Venn und zum höchsten Gipfel der Region, zum 658 m hohen Steling. Der Walk über 12,7 km dürfte unter den drei angebotenen Wanderwettbewerben – die anderen gingen über die Minimarathonstrecke (4,2 km) bzw. über die Marathonstrecke (42,2 km) – der Hauptact gewesen sein mit Zeitmessung und der Prämisse, dass man von Veranstalterseite davon ausgehe, dass man sich regelkonform bewege. Dieser Hinweis in der Ergebnisliste findet sich weder beim Mini-, noch Maxiwalk. Und tatsächlich sah man beim Marathonwalk am Folgetag viele Akteure phasenweise joggen, beim Zieleinlauf ohne Ausnahme mindestens die ersten zwanzig.

Der sportliche Abschluss am Samstag war, vor dem Beginn der Pastaparty, den Läufern vorbehalten. Gut achtzig Teilnehmer aus allen Altersklassen begaben sich auf die anspruchsvolle Strecke, die auf den letzten 1.500 m mit der Marathonstrecke identisch ist. Die Siegerehrung für die Minis erfolgte zeitnah im Festzelt während dem Nudelschmauß.

Ultramarathon startet um sechs in der Frühe

Man hat ihn schon längst zum Mister Monschau-Marathon gekürt, den zweimaligen Altersklassenweltmeister über 100 km: Andre Collet. Schließlich gewann er den hiesigen Marathon nicht weniger als acht Mal, dazu 2012 den damals erstmals durchgeführten Ultramarathon über 56 km. Diesmal hatte sich das deutsche Langlaufass aus Aachen wieder zur Teilnahme am Ultra entschieden als Vorbereitung auf die 100-km-Weltmeisterschaft in Kroatien im September.

Auch Collet wird am frühen Morgen des 12. August einigermaßen überrascht gewesen sein, als er sich vor die Tür begab. Nach milden Temperaturen am Vortag war es in der sternenklaren Nacht enorm abgekühlt auf schattige sieben Grad zur Startzeit um 6:00 Uhr.

Andre Collet

Mit etwa 950 Höhenmeter ist der Monschau-Ultra sehr anspruchsvoll und gehört als einer von sieben Wertungsläufen zum Europacup der Ultramarathons. Dass die Ultras nach vierzehn Kilometern zum Zielbereich zurückkommen und unter dem Startbogen einen Wendepunkt haben, um auf die originale Marathonstrecke einzuschwenken, hat für den Zuschauer den Vorteil, Einblicke in den bisherigen Rennverlauf zu gewinnen. Was sie zu sehen bekamen, war das Erwartete gewesen. Leichtfüßig und entspannt trabte Favorit Andre Collet etwa eine Minute vor seinem ärgsten und mehrere Minuten vor weiteren Widersachern dahin. Dahinter folgte mit etwa 150 m Abstand Gerd Mertens vom AC Lierse, dem als einzigem zugetraut wurde, Collet einigermaßen Paroli bieten zu können, sowie Christoph Marquardt von der LG Deiringsen als vierter. Mertens erlitt unterwegs eine Verletzung, die ihn zurückwarf, dennoch finishte er den Ultra als 15. in einer Zeit von 4:30:30h. Marquardt hingegen kam gut durch und feierte mit dem zweiten Platz in 4:08:11 h einen feinen und nicht erwarteten Erfolg. Dass er damit recht genau zwanzig Minuten hinter Sieger Collet blieb, dürfte den Banker aus Münster keinen Deut gestört haben. Collet indes zeigte seine gute Verfassung und siegte in 3:46:53 h. Zu Bronze lief Manuel Skopnik vom TV Refrath in 4:10:30 h, womit er Mark van Hoorn, den stärksten Niederländer (4:11:45 h), auf den vierten Rang verwies.

Das Frauenrennen wurde eine einseitige Angelegenheit für eine Läuferin aus Stuttgart, nämlich für Sylwia Zakrzewski-Heiter vom Team AR Sport. Ihre Dominanz war schon nach der kleinen Runde unübersehbar und war es erst recht, als sie als Gesamtsiebzehnte ins Ziel lief. Sie hatte durchgehend einen guten Eindruck gemacht und siegte in 4:32:36 h. Damit war sie die einzige Läuferin, die unter fünf Stunden blieb. Ein taktisch gutes Rennen lief Marion Braun vom SV Germania Eicherscheid. Mit dem Vorteil, die Strecke aus dem FF zu kennen, begann die Lokalmatadorin vorsichtig und reihte sich irgendwo zwischen Platz fünf und acht ein. Im Verlauf des Wettkampfs, als einige Konkurrentinnen Federn lassen mussten, zog sie kontinuierlich ihr Ding durch und erreichte als zweite strahlend das Ziel in 5:03:49 h, womit sie das silberne Edelmetall recht sicher errang. Auf den dritten Platz lief die Niederländerin Silvia Verhoeven (W55, Achilles) in 5:11:16 h vor Britta Hübner (W50, LC Duisburg) in 5:18:18 h.

„Schwerster Marathon“ für Belgier Königs

Trotz des Ultras ist der Marathonlauf der zentrale Wettbewerb in Monschau. Mit ihm wurde die Veranstaltung 1977 ins Leben gerufen, und er stand ohne Unterbrechung auf dem Programm. Mit rund 500 Anmeldungen und genau vierhundert Finishern war er auch zahlenmäßig der stärkste Lauf. Dass im 40. Jubiläumsjahr rund 500 Läufer das Ziel erreichten und Anfang des Jahrtausends mehr als doppelt so viele Finisher gezählt werden konnten, mag die Organisatoren traurig stimmen, ist aber nichts weiter als der Ausdruck eines allgemeinen Trends bei Landschaftsmarathons.

Exakt zur gleichen Zeit, zu der in Berlin der Europameisterschaftsmarathon angeschossen wurde, der gut zwei Stunden später in Koen Naert einen belgischen Überraschungssieger sehen sollte, machte sich ein anderer Belgier in Monschau auf, das oberste Treppchen zu erklimmen: Roger Königs. Das Rennen in Monschau sollte als die beste Vorbereitung für die Teilnahme am Berlin Marathon Mitte September gelten. Wie er nach dem Lauf kundtat, war sein Motto, mit angezogener Handbremse zu laufen und nur so viel zu tun, dass es für einen Sieg reiche. Das ging, wie er einräumte, nicht so auf wie gedacht, und das habe an der starken Konkurrenz gelegen.

Nie sei er während des Rennens sicher gewesen, die beiden Hauptwidersacher Christian Nießen und Markus Mey, beide von Peters Sportteam und beide ehemalige Monschaumarathon- bzw. Ultramarathonsieger, in genügendem Abstand zu wissen. An einer besonders kniffligen Stelle und steilem Anstieg wären diese sogar bis auf rund fünfzig Meter herangekommen. Da habe es sich für ihn, Königs, ausgezahlt, dass er in den Tagen zuvor Teile der Strecke probegelaufen sei und genau wusste, was ihn erwarte. Schließlich gewann Königs das Rennen in 2:39:48 h vor Mey (2:40:33 h) und Nießen (2:41:31 h). Es dauerte dann über eine Viertelstunde, bis Oliver Baumert aus Miel in 2:58:27 h als vierter einlief.

Schmitt gewinnt den Marathon

Waren die beiden Ultrasiege mehr als klar herausgelaufen worden und der Männermarathon relativ knapp ausgegangen, sollte der Frauenmarathon wieder eindeutig sein. Dafür sorgte die W30erin Tanja Schmitt. Sie war defensiv gestartet und lag noch im Zentrum Monschaus auf Rang zwei hinter Birgit Schönherr-Hölscher vom PV Triathlon Witten. Im Laufe des Rennens vollzog sich recht bald die Situation an der Spitze zugunsten Schmitts, die bis ins Ziel einen Vorsprung von über zehn Minuten herauslaufen sollte. Tanja Schmitt siegte in 3:18:25 h vor Schönherr-Hölscher, die 3:28:56 h brauchte. Es folgten Claudia Modras von Tusem Essen in 3:33:32h und Tamara Fischer von Hansa Simmerath in 3:39:07 h. Von 400 Marathonfinisher waren 79 Frauen, was einem Anteil von knapp zwanzig Prozent entspricht.

Zählt man die Teilnehmer aller Wettbewerbe zusammen, so nahmen gut 1600 Sportler am 42. Monschau Marathon teil. Zwar nicht das beste Ergebnis der Geschichte, aber ein durchaus zufriedenstellendes. Für den reibungslosen Ablauf standen 400 ehrenamtliche Helfer zur Verfügung, ein komfortables Betreuungsverhältnis also von eins zu vier. Mit der Siegerehrung der Langlaufasse und einer Abschlussfete ging der Monschau Marathon 2018 am Sonntagnachmittag stimmungsvoll zu Ende.

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