Interview mit der Hatha Yoga-Autorin Martina Mittag

LITERATUR. Nach einer umfassenden Einführung in das Thema mit einer fundierten Übersicht zu Ursprung und Philosophie des klassischen Yoga erwartet den Leser im Hatha-Yoga Buch ein ausführlicher Praxisteil. Die 34 bekanntesten Yogahaltungen (Asanas) werden in ihrer korrekten Ausführung, Symbolik, Ausrichtung, Vorbereitung, Hinführung und Möglichkeiten der Anleitung vorgestellt. Speziell abgestimmte Übungsreihen, komplette Stundenbilder sowie auf die Stundenbilder abgestimmte Visualisierungs- und Entspannungsreisen erlauben ein tieferes Eintauchen in die Yogapraxis. Zugleich erfährt der Übende Grundthemen des Lebens aus Yogasicht und kann diese in seine eigene Erfahrungswelt integrieren oder sich inspirieren lassen (siehe Amazon). Das Buch ist im Meyer&Meyer Sportverlag erschienen. LAUFZEIT&CONDITION sprach jetzt mit der Autorin Martina Mittag.

Alles hat einen Anfang. Erinnern Sie sich also einmal zurück: Wann und wo haben Sie zum ersten Mal Yoga gemacht?

An meiner ersten Yogastunde habe ich 1996 in Hamburg teilgenommen. Zu der Zeit habe ich als Fitness- und Aerobictrainerin etwa 20 bis 25 Kurse die Woche gegeben. Darum hatte ich ein starkes Bedürfnis nach einem Gegenpol, ich wollte einfach lernen abends innerlich runterzukommen und mich zu entspannen. Ich hatte es zuvor mit autogenem Training probiert, aber statt immer ruhiger zu werden hat es mich total nervös gemacht, mein rechter Arm wollte und wollte einfach nicht schwer und warm werden…

Waren Sie danach sofort Feuer und Flamme? Und was fasziniert Sie noch heute an Yoga?

Ja, ich erinnere mich noch sehr genau an das WOW-Gefühl in und nach der Yogastunde. Ich war auf der einen Seite unglaublich ruhig und klar (zumindest für eine Weile) und zugleich sehr angenehm lebendig und vital ohne mich so aufgeputscht wie nach einer Aerobicstunde zu fühlen. Und ganz tief in mir ist eine Saite in Schwingen gekommen von der ich immer geahnt hatte, dass sie da ist. Womit ich meine, dass mein „spirituelles Ich“ aus der Taufe gehoben wurde.

Das fasziniert mich auch heute noch am Yoga. Die Art meiner Praxis hat sich jedoch im Laufe der Zeit immer mal wieder verändert, sich meiner inneren Entwicklung und meinen Lebensumständen angepasst. Yoga ist für mich ein Füllhorn an Wissen und Praktiken mit einem unglaublich weiten Spektrum.  Es wird nie langweilig oder eintönig, es tun sich immer wieder neue Lern- Wissens- und Erfahrungswege auf.

Wann und vor allem wo machen Sie am liebsten Yoga?

Ich habe zu Hause einen kleinen Meditations- und Yogaraum. Dort praktiziere ich täglich direkt nach dem Aufstehen 20 Minuten Pranayama (Atemübungen) und anschließend 15 bis 20 Min stille Sitzmeditation.  Das ist für mich die optimale Einstimmung auf den Tag.

Asanas und Flow Yoga praktiziere ich 2 bis 3 Mal pro Woche jeweils etwa 60 Minuten (zusätzlich zu den Yoga Kursen, die ich unterrichte).  

Welchen Tipp geben Sie Yoga-Neulingen mit auf den Weg? Wie findet man den idealen Einstieg in die Yogapraxis?

Da es so viele unterschiedliche Stile und Ausrichtungen gibt empfehle ich Probestunden zu nehmen bis man für sich den passenden Stil gefunden hat. Und auch mit den Lehrern sprechen und fragen was ihnen wichtig ist, was sie empfehlen und auch fragen wenn man etwas nicht versteht oder mehr über den Sinn  von Inhalten erfahren möchte.

Was meinen Sie, lassen sich Yoga und Laufen gut miteinander verbinden?

 Es ist absolut sinnvoll Ausdauertraining wie Laufen und zudem eine regenerierende Praxis wie Yoga zu praktizieren. Allerdings würde ich diese beiden Praktiken zeitlich voneinander trennen. Zum Beispiel morgens eine Yogaeinheit und abends laufen, oder umgekehrt. Erst Laufen und dann Yoga ginge auch, erst Yoga und dann Laufen würde ich eher nicht empfehlen, da Yoga das System runterfährt und Laufen es dann wieder hochputschen würde.

Aber da muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen. Bestimmte Pranayama Techniken (Atemübungen) lassen sich auch zur Vorbereitung auf das Lauftraining hervorragend einsetzen. Wobei man auch für sich wieder schauen muss: Möchte ich Yoga vollumfänglich praktizieren oder möchte ich Techniken aus dem Yoga für bestimmte Aspekte einsetzen.

Yogaübungen, rein mechanisch praktiziert um einen Nutzen wie Dehnung, Kräftigung oder einen vertieften Atem daraus zu ziehen, haben eher Workout-Charakter und stellen im eigentlichen Sinn noch keine Yogapraxis dar.

Foto: privat

 

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