Leichtathletik EM Berlin 2018:
Marathon – die (fast) Letzte …

LA EM Berlin 2018, BreitscheidplatzSZENE. Und sssst … schon waren sieben Tage Leichtathletik-EM vom Feinsten schon wieder vorbei. Am letzten Tag standen, als (fast) letzte Klappe dieses Mega-Events – die Ausdauer-Profis im Fokus.
Wohin schaut so mancher Freizeitläufer auf? Auf den Olymp des Marathons, oder? Wirklich aufschauen? Wie ich in den letzten 20 Jahren feststellen konnte, sind all‘ die Helden der 42,195 Kilometer die normalsten Menschen der Welt, bescheiden, empathisch und sozial engagiert. An wen ich auch denke: Uta Pippig, Paul Tergat, Waldemar Cierpinski, Chalid Khannouchi, Paula Radcliffe, Haile Gebrselassie und und und. Einfach Typen zum Gernhaben.

LA EM 2018 Berlin
Aage aus Norwegen an der Kurfürstenstraße.

Heute ging zum Abschluss der Leichtathletik-EM in Berlin die Damen- und Herren-Elite auf die klassischste aller Laufdistanzen. Beste Bedingungen – genau zum Marathon waren die Temperaturen in der Hauptstadt endlich wieder erträglich – für die 4mal zu durchlaufende Runde mit Start und Ziel an der Generali-Arena am Breitscheidplatz. Die fast zwei Jahre lang ausgetüftelte Strecke ging erst zur Siegessäule, durch den nördlichen Tiergarten vorbei am Schloss Bellevue bis zum Reichstag , dann Schwenk nach Süden, vorbei am Brandenburger Tor, Rechtsknick durch den Potsdamer Platz, weiter am Reichpietschufer zurück zum Tauentzien, wo nach Umrundung der neuen Hochhäuser dort in der City West die jeweils nächste Runde begann. Auf der letzten Runde war auf der Straße des 17. Juni noch eine Schleife eingebaut, um die exakte Distanz „voll“ zu bekommen.
Die Frauen starteten mit eine knappen Stunde Vorsprung, was dafür sorgte, dass fast immer (Marathon-)Bewegung an der Eventmeile rund um die Gedächtniskirche war. Und die war so was von gut gefüllt. Beste Stimmung an den Straßenrändern und auf der Tribüne. Es gab kaum Zeiten ohne Beifall und Anfeuerungsrufe.

Pluspunkte für die Hauptstadt

Mit wem man auch ins Gespräch kam: Überall Lob für die perfekte Organisation, hilfsbereite Polizisten und freundliche Berliner. Wenn wir wollen, können wir das eben! Auch Aage aus Norwegen hatte sich an der Kurfürstenstraße ein Platz zum Anfeuern gesucht. „Ich habe mir genug Zeit für Berlin mitgebracht“, freute er sich, „nicht nur für die EM, sondern auch, um die Stadt ein wenig zu erleben – hat geklappt. Am Montag gibt es Sightseeing total!”


Zwischendurch war kurzzeitig kaum ein Wort zu verstehen, denn immer wenn sich ein Marathoni, egal, ob allein oder in Grüppchen, näherte, legte die Percussion-Truppe „Marafaxe Nacão Nagô“ so was von los und sorgte dafür, dass auch der letzte mit Applaus dabei war. Ein Stückchen weiter standen Susanne und Friedrich aus Karlsruhe. Die Beiden hatten den EM-Termin gleich genutzt, um ihren Eindruck von Berlin mit einem Abstecher nach Potsdam zu komplettieren. Ihr Fazit: „Das waren gelungene Tage – sportlich und vom ganzen Erlebnis her!“

Zwei elfte Plätze

Aus deutscher Sicht war der Marathon ein durchwachsenes Ergebnis. Platz 11 für Fabienne Amrhein in 2:33:44 Stunden und ebenso Platz 11 für Tom Gröschel immerhin in 2:15:48 Stunden. Philipp Pflieger hat schweren Herzens das Rennen nach 33 Kilometern beendet. Seit Wochen anhaltende Probleme im linken Sprunggelenk und Achillessehne forderten ihren Tribut. Die Marathon-Siege gingen an Volha Mazuronak (2:26:22 Stunden) aus Weißrussland und den Belgier Koen Naert (2:09:51 Stunden).

Selber mal Marathon laufen?

Ja, immer gern. Aber! Eine Biertischwette, á la „ich schaff‘ den nächsten XYZ-Marathon locker“, ist nicht der beste und empfehlenswerte Ansatz. Immerhin gehören eine gute Portion Lauferfahrung auf Unterdistanzen und in der direkten Vorbereitung die langen, „langsamen“ Ausdauereinheiten dazu, die „Sauerstoffläufe“. Besorgen Sie sich einen guten Trainingsplan – unser Magazin hat regelmäßig professionelle Pläne an Bord – und schauen Sie ganz ehrlich zu sich selbst, ob sich so ein Marathon-Plan überhaupt in den Lebensalltag einpassen lässt. Stress mit der Familie und dem Job passen so gar nicht in eine gute Marathonvorbereitung … Ansonsten, immer dran bleiben, auch wenn es kürzere Distanzen sind. Das Fitnessalter gestandener Freizeitläufer kann locker 10 Jahre weniger betragen als das tatsächliche Lebensalter – aber das kommt wirklich nicht von allein.

Text & Fotos: Matthias Thiel


Einen detaillierten Wettkampfbericht gibt es bei hier.