Richard Ringers Traum von einer Medaille ist geplatzt

SZENE. Die ersten Entscheidungen bei der Leichtathletik-EM in Berlin sind gefallen. So standen aus Sicht der Langstreckler die 10.000 m bei den Männern im Mittelpunkt des Interesses. Mit Richard Ringer (VfB Friedrichshafen), Amanal  Petros (SV Bielefeld-Brackwede) und dem nationalen Titelträger Sebastian Hendel (LG Vogtland) standen gleich drei Deutsche an der Startlinie. Die besten Chancen wurden im Vorfeld Richard Ringer zugetraut. So galt der Läufer vom Bodensee als eine der deutschen Medaillenhoffnungen.  

Von der Papierform her mag man ja auf solche Ideen kommen können. Schließlich war er mit der besten gelaufenen Zeit aller Europäer über 10.000 m nach Berlin gekommen. Wer aber die Wetterlage der letzten Wochen zur Kenntnis genommen hat, der hätte eigentlich wissen müssen, dass Richard Ringer von vornherein chancenlos war. Ringer ist von der Veranlagung her kein Hitzeläufer. Am Dienstagsabend herrschten im Olympiastadion beim Start des Rennens irrsinnige 33 Grad. Schon nach 3 Runden war an Ringers Körpersprache zu erkennen, dass an diesem Abend für ihn nichts zu gewinnen war. Schon nach 15 Runden war der starke aus Kenia stammende Türke Polat Kemboi Arikan ausgestiegen. 1.000 m später gab auch Richard Ringer auf. An 14. Stelle liegend war ihm wohl klar, dass er die vor ihm liegende 13-köpfige Spitzengruppe nicht einholen konnte. Die 34.882 zahlenden Zuschauer zeigten sich Ringer gegenüber verständnisvoll. Es gab keine Pfiffe der Enttäuschung. Anschließend machte der beste Deutsche Langstreckler aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Meine Beine waren einfach schwer. Ich habe schnell gemerkt, dass ich nicht für eine Medaille in Frage komme. Es machte einfach keinen Sinn weiter zu laufen“. Ob er über 5.000 m eine 2.Chance wahrnehmen will, ließ er offen. Besser lief es lange Zeit für Amanal Petros. Der gebürtige Eritreer hielt sich trotz eines zügigen Anfangstempos geschickt am Ende der Spitzengruppe. Aber als es in die Entscheidung ging, musste auch der U23-Europameister Lehrgeld bezahlen und abreißen lassen. Mit einer Zeit von 29:01,19 min landete der Angehörige der Bundeswehrsportfördergruppe auf Platz 16. Gar nicht gut lief es für Sebastian Hendel. Der nationale Doppelmeister über 5.000 und 10.000 m musste sich bei seinem ersten großen internationalen Auftritt mit Platz 24 und einer Zeit von 29:53,45 min begnügen. Hendel als auch Petros stehen noch am Anfang ihrer Karriere. Mit gerade einmal 23 Jahren konnten sie beim Finale von Berlin wichtige Erfahrungen für die Zukunft sammeln.

Das Feld der 32 Starter über 10.000 m bei den Männern kurz nach dem Start. Fotos (2) Petra Juretzki

Bei den Langstrecklern gab es nichts zu feiern. Vielmehr erfreuten sich die  Zuschauer an den Medaillengewinnen des Kugelstoßers David Storl (Bronze mit einer Weite von 21,41 m) und der Sprinterin Gina Lückenkemper (Platz 2 über 100 m in 10:98 sec). Das fachkundige Publikum dankte es den Athleten und verwandelte das altehrwürdige Olympiastadion in einen explodierenden Hexenkessel. Die Medaillen im 10.000 m-Lauf gewannen der Franzose Morhad Amdouni, der Belgier Bashir Abdi und der Italiener Yemaneberhan Crippa. Wie man an den Namen erkennen kann, musste man schon afrikanischer Abstammung sein, um bei diesem Wetter 25 Stadionrunden in hohem Tempo zu bewältigen. Dass die Zeiten des Siegers und der Medaillengewinner zwischen 28:11,22 min und 28:12,15 min lagen, kann man in Anbetracht der tropischen Temperaturen getrost als phänomenal bezeichnen.

Schon am Vormittag mussten die Hindernis-Spezialisten Farbe bekennen. Auch hier lief es aus deutscher Sicht alles andere als rund. So strauchelte der Deutsche Meister Martin Grau am letzten Hindernis und konnte trotz einer Leistung von 8:33,81 min nicht das Finale erreichen. Auch der Wahl-Berliner Johannes Motschmann (8:51,65 min) blieb hinter den eigenen Erwartungen zurück und verpasste den Finaleinzug deutlich. (Hubert Meisen/Jörg Valentin)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*