Erinnerungen an einen Sommer-Trainingstraum

MEINE MEINUNG. An heißen Sommertagen bleibt uns oft nichts anderes übrig, als in den frühen oder späten Tagesstunden zu laufen, bei noch erträglichen Temperaturen, wenn kein Lüftchen weht und wir die Stille des Morgens oder Abends für uns alleine haben. Ich denke an meine Lieblingsstrecken nach dem Mauerfall in meiner Heimatstadt Berlin. An mein Training auf den schattigen Strecken im Grunewald in der Nähe des Mommsenstadions und an die letzten Vorbereitungen im Stadion. Zu Beginn ging es, vorbei an den Schrebergärten, hinein in den Wald, in alle Himmelsrichtungen, oft alleine und manchmal gemeinsam mit Freunden. Einer von ihnen hatte seinen Garten dort. Wolfgang war oft zur Stelle, wenn wir abends noch rennen wollten. Du erinnerst dich? Ich war in guter Gesellschaft, fühlte mich aufgehoben, die untergehende Sonne warf lange Schatten, wir haben uns gegenseitig motiviert. Liefen mal ganz locker, mal richtig schnell. Und wenn ich mich auf die Saisonhöhepunkte – Grand-Prix-Events, Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele – vorbereitete, habe ich mich vor meinem Abschlusstraining immer vom Stadion aus eingelaufen, absolvierte manchmal einige 1.000-m-Tempoläufe mit dem Team. Die 8 x 400 m schnell waren mein Favorit. Die lief ich allein, um zu spüren, was ich wirklich konnte, wie es um die Form stand. Vorbei an den Weitspringern, immer im Kreis, die Sonne im Gesicht, jeden Lauf etwas schneller. In lockerem Rhythmus, als wäre ich mitten in einem 5.000- oder 10.000-m-Rennen, ganz flüssig, zugleich voll fokussiert. Es war wie ein Tanz auf der Tartanbahn, ohne Druck, die Geschwindigkeit einfach kommen lassen – ein gutes „Scharfmacherprogramm“ einige Tage vorm eigentlichen Rennen. Danach haben wir uns mit gefrorenen Handtüchern aus der Kühltasche abgerieben, mit isotonischen Getränken aufgefrischt, sind anschließend barfuß auf dem feuchten Gras ausgelaufen. Saßen auf dem Rasen, verspeisten Melone und Banane, wünschten uns Glück für die bevorstehenden Wettkämpfe. Es war eine schöne Zeit, wir waren füreinander da. So wünsche ich euch auch viele gute Trainingstage, entspannte Abendläufe und traumhafte gemeinsame Laufabenteuer.

 Eure Uta Pippig

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Foto: Uta Pippig (dpa Picture-Alliance GmbH)

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