Rücken Fit Challenge: Interview mit Ramin Waraghai

cof

 

Diese Buch soll Klarheit schaffen auf die Frage: „Woher kommen meine Rückenschmerzen wirklich und was kann mir persönlich am besten dabei helfen, sie zu lindern?“ Sportwissenschaftler Ramin Waraghai ermutigt den Leser die Zügel selbst in die Hand zu nehmen und mit Hilfe der MÜHELOS-Methode zu entscheiden, welche Aktivitäten auf biologischer, psychischer und sozialer Ebene für ihn persönlich die optimale Hilfe auf dem Weg zur nachhaltigen Rückengesundheir darstellen. Jetzt stellte sich Ramin Waraghai den FRagen von LAUFZEIT&CONDITION.

  1. Herr Waraghai, Sie litten bereits als Jugendlicher unter immer wiederkehrenden Rückenschmerzen. In dem Alter ist man meistens noch unvernünftig und möchte trotz gesundheitlicher Einschränkungen mit dem Kopf durch die Wand. Haben Sie sich damals damit beschäftigt, wie Sie gegen die ständigen Schmerzen ankommen können?

Da haben Sie Recht. In jungen Jahren macht man sich oftmals noch nicht viele Gedanken über die eigene Gesundheit und neigt daher dazu, die Signale des eigenen Körpers zu überhören.  Auch mir war es damals wichtiger, gut auszusehen und nicht als „Loser“ dazustehen, weil ich aufgrund meiner Schmerzen nicht mehr zum Fußballtraining kommen konnte.  Die einzige Initiative, die ich ergriffen habe, war ab und an zum Arzt zu geben. Leider konnte man mir dort nicht nachhaltig helfen und so habe ich doch immer wieder fürs Durchbeißen entschieden.

2.Einige Jahre später zogen Sie sich einen doppelten Bandscheibenvorfall zu. Bereuen Sie es, dass Sie damals nicht mit dem Fußball spielen aufgehört und sich nicht richtig geschont haben?

 Nein, bereuen tue ich das nicht. Es war meine Lieblingssportart und ich hatte noch große Ambitionen. Ich hätte mich damals jedoch noch mehr über die wahren Ursachen der Überlastungen informieren können, anstatt mich in die Opferrolle zu begeben und zu denken, ich hätte einfach Pech mit meinem Körper gehabt.

3.Ein Arzt riet Ihnen nach einer längeren Therapie dazu, die Karriere als Sportler an den Nagel zu hängen. Was gab Ihnen die Kraft, sich gegen diese Diagnose zu wehren und das Fußballspielen letztlich dann doch weiterzuführen?

Ich habe den Rat eher als Weckruf wahrgenommen, das Problem nun ernster zu nehmen und anzugehen. Aus dem Trotz gegen die Empfehlung meines Arztes heraus, habe ich mir gesagt, ich werde beweisen, dass es auch einen anderen Weg gibt. Deshalb besuchte ich über mein Sportstudium hinaus, in ganz Deutschland und den USA Weiterbildungen und Seminare, um über die wahren Ursachen von Rückenproblemen und mögliche Therapieansätze kennenzulernen. Dieses Wissen und die Fortschritte, die ich durch die Anwendung machen konnte, haben mich beflügelt und mir die Hoffnung gegeben, irgendwann wieder schmerzfrei Fußballspielen zu können.

4.Durch Ihr Studium konnten Sie auch von den größten Rückenexperten der Welt lernen. Was hat Sie an deren Therapieansätzen so fasziniert, was zum Nachdenken gebracht?

Am meisten hat es mich fasziniert, den Körper als Ganzes und seine Komplexität zu verstehen. Oftmals widersprachen sich die Experten jedoch, indem sie komplett gegensätzliche Trainingsempfehlungen aussprachen, die wohl auf den eigenen Erfahrungen mit einer speziellen Patientengruppe oder dem Versuch, mit Generalisierungen die meisten Menschen erreichen zu können, basierten. Das hat mich manchmal in kleine Krisen geführt, da ich nicht mehr wusste, wem ich nun glauben schenken sollte. Letztlich hat es aber stets meinen Horizont erweitert und mir die vielen Betrachtungsweisen und Lösungsmöglichkeiten offenbart.

5.Welche Ursache sind Ihrer Meinung nach die häufigsten für Rückenprobleme? Schließlich leidet nahezu jeder in seinem Leben einmal an Rückenschmerzen oder Nackenverspannung. Welche Gefahr sehen Sie bei Kindern und Jugendlichen, die entweder gar keinen Sport oder Leistungssport betreiben?

Wir wissen heutzutage, dass insbesondere chronische und immer wiederkehrende Rückenprobleme bio-psycho-soziale Ursachen besitzen. Das bedeutet, es sind Faktoren auf der biologischen, der psychischen und der sozialen Ebene, die unser imaginäres Fass füllen, bis es überläuft und Schmerzen auftreten. Ich würde daher nicht eine spezielle Ursache für grundsätzlich am wichtigsten betrachten. Die Gefahr lauert jedoch stets in den Extremen. Auf der einen Seite ist es zu wenig Bewegung und stundenlanges Sitzen, was zu Verkürzungen und Verspannungen führt und auf der anderen Seite ist es zu viel Belastung ohne entsprechende Regeneration, gepaart mit viel negativem Stress, wodurch das Fass zum Überlaufen gebracht wird. Dies gilt für junge Menschen, genauso wie für ältere. Studien zeigen, dass 40% der 14-Jährigen schon mindestens einmal in ihrem Leben mit Rückenproblemen zu kämpfen hatten. Alter ist bei Rückenschmerzen daher eine überbewertete Komponente, die oftmals gerne als Ausrede genutzt wird, um sich nicht aktiv um die Rückengesundheit kümmern zu müssen.

6.Vor zwei Jahren haben Sie ein sechswöchiges Onlinetrainingsprogramm „Die Rücken Fit Challenge“ ins Leben gerufen, leben schmerzfrei und stehen für einen nachhaltig gesunden Rücken. Weshalb ist ein vielseitiges Training so wichtig / Was ist das Besondere an Ihrem Training, das nirgendwo anders zu finden ist?

Der Körper ist ein komplexes Meisterwerk, bei dem die verschiedensten Systeme miteinander interagieren. Wir meinen häufig, lediglich einen Faktor wie die schwache Rückenmuskulatur oder das Hohlkreuz für die Probleme verantwortlich machen zu können. Dabei ist es jedoch stets ein Zusammenspiel verschiedenster Faktoren, das zu den Überlastungen führt. Der „one size fits all“ – Ansatz ist daher aus meiner Erfahrung heraus in vielen Fällen nicht sinnvoll. Es bedarf einer individuellen Herangehensweise, bei gleichzeitiger Berücksichtigung der multifaktoriellen Ursachen. Dies gewährleisten wir – wie wohl kein anderes Programm – durch unseren 7-Übungen umfassenden Selbsttest zu Beginn des Trainings, sowie die zahlreichen Tipps und Übungen in den Bereichen Mentale Einstellung, Ernährung, Stressmanagement und Haltungen im Alltag.

7.Was war das schönste Feedback, dass Sie seit dem Start der „Rücken Fit Challenge“ bekommen haben?

Ich kann gar nicht ein einziges herauspicken. Jedes Mal, wenn ein Teilnehmer uns schreibt, dass er nach unzähligen Versuchen nun endlich die jahrelangen Schmerzen in den Griff bekommen hat – sei es im Rücken, in der Schulter oder im Nacken – freue ich mich und fühle mich bestätigt, dass es der richtige Weg war, Menschen die Möglichkeit zu geben, sich im Komfort des eigenen Zuhauses selbst um ihre Rückengesundheit kümmern zu können.

8.Welchen Ratschlag würden Sie Läufern mit auf den Weg geben, wenn Sie häufig über Rückenschmerzen klagen?

Auch bei Läufern geht es um die Balance aus Belastung und Regeneration (bzw. Schonung). Zu schnelles Steigern des Trainingsumfangs ohne entsprechende Regenerationsmaßnahmen überlasten den Rücken häufig. Der Körper kann sich Belastungen auf unglaubliche Art und Weise anpassen, jedoch braucht er dazu genug Erholung und unsere bewusste Unterstützung.

Letztere bekommt er auch besonders dann, wenn wir die Schwachstellen in der Mobilität und Stabilität unseres Körpers durch gezielte Tests ausfindig machen und korrigieren. Denn dadurch können wir die Belastungen des Rückens während des Laufens minimieren und seine Widerstandsfähigkeit deutlich erhöhen. Mangelnde Mobilität im Sprunggelenk oder der Hüfte oder Probleme mit der Atmung sind beispielsweise häufige Gründe, warum der Körper so kompensieren muss, dass der Rücken letztlich der Leidtragende ist.

Gleichzeitig können eine gute dynamische Stabilität und motorische Kontrolle im Rumpf die hohen Aufprallkräfte beim Laufen besser abdämpfen und somit den Rücken schonen. Die eigenen Defizite zu kennen und gezielt an diesen zu arbeiten, hilft darüber hinaus nicht nur gegen Rückenprobleme, sondern kann auch die Leistungsfähigkeit erhöhen.

Text und Foto: Meyer&Meyer-Verlag/Marketing

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*